Lesung mit mittelalterlicher Musik im Theater Trier: Trierer Schauspieler liest "Die Zwerge"

Lesung : Fantasy-Lesung im Theater Trier: Spektakel mit Schwächen

Trotz einiger Pannen in der Inszenierung kommt die Lesung zu „Die Zwerge“ im Theater Trier bei den 550 Zuschauern gut an. Die literarische Vorlage genießt dagegen keinen allzu guten Ruf.

Das Ganze ist ein bisschen kompliziert. Da sind die Zwerge, die das sogenannte Geborgene Land bewachen sollen. Und da sind Orks und diverse Sorten von Trollen. Die sind in jenes Land eingedrungen und marodieren seither munter durch die Gegend. Und da ist ein Zwerg, der unter Menschen aufwuchs und irgendwann loszog, sein Land zu retten. Das ist – äußerst knapp umrissen – die Handlung des Romans „Die Zwerge“ von Markus Heitz. Zwischen 2003 und 2015 erschienen insgesamt vier Bände der Geschichte – und verkauften sich millionenfach.

Wermutstropfen: Ein paar technische Pannen machten die Lesung von Steck teils unverständlich. Foto: TV/Lisa Bergmann

Auf ihnen basiert die Inszenierung, die jetzt zum (wirklich aller-) letzten Mal live aufgeführt wurde. Der Schauspieler Johannes Steck, unter anderem bekannt aus der ARD-Serie „In aller Freundschaft“, liest. Die Gruppe Corvus Corax unterstüzt ihn mit Musik und kleinen Spielszenen. Die Inszenierung ist das Werk von Alexander May, Chefdramaturg des Theaters Trier. Das Bühnenbild ist oppulent, die Herren sind mittelalterlich gewandet. Leder und schwere Stoffe, wohin man schaut. Dazu düstere Töne aus dem Dudelsack und etwas, das verdächtig nach einem Alpenhorn aussieht. Steck liest aus einem, ledergebundenen Buch, auf dem Titel ist „Die Zwerge“ eingeprägt. Mit ihren historisch anmutenden Instrumenten imitieren Corvus Corax die passenden Geräusche – mit einer Art Glockenspiel etwa das „Tick Tick“ eines Schmiedehammers.

So weit das ambitionierte Konzept, das so allerdings nicht immer aufgeht. Oft stimmt das Timing nicht, sekundenlange Pausen entstehen. Nach einer längeren Textpassage etwa wäre wohl laut Skript die Band an der Reihe gewesen. „Da wäre jetzt Musik schön, steht auch hier“, kommentiert Steck. Und da, wo es Musik gibt, ist sie zu laut. Offenbar nicht ganz auf Stecks Mikro angepasst, übertönt sie ihn beinahe. Das macht es nicht leichter, der komplexen Handlung zu folgen.

Steck selbst überzeugt mit charismatischer Stimme, die auch Game-of-Thrones-Fans kennen dürften – in zwei Episoden trat er als Synchronsprecher auf. Die unterschiedlichen Charaktere des Buches macht er durch gekonnte Stimmmodulation greifbar. Was leider untergeht, wenn Steck durch die Dialoge hetzt. Auch das Mikro macht ihm oft einen Strich durch die Rechnung, immer wieder schluckt es offenbar aufgrund einer technischen Störung ganze Worte. Spaß macht die Inszenierung deshalb immer dann, wenn Steck den Text verlässt und das Geschehen auf der Bühne kommentiert. Etwa als es gilt, einen weiblichen Zwerg darzustellen und ein Bandmitglied mit blonder Perücke über die Bühne tänzelt: „Das ist so eine Rampensau“, sagt Steck.

Zwerge, Orks, Trolle und ein Geborgenes Land – darum geht’s in Markus Heitz’ Bestseller „Die Zwerge“. Foto: TV/Lisa Bergmann

Allen Pannen zum Trotz: Das Publikum hatte Spaß. „Die Darstellung, besonders von Steck, war phänomenal“, sagt Elfriede Riehm aus Konz. „Die Musik war gut, der Vortrag von Steck super“, resümiert Andrea Kupfer aus Trier. Das Buch habe sie noch nicht gelesen. „So viele haben mir vorher gesagt, es ist schlecht geschrieben“, sagt Kupfer. Ein im Publikum offenbar verbreitetes Urteil: „Spannend ist es ja. Aber schlecht geschrieben ist es auch“, sagt ein Herr in der zweiten Reihe vor Beginn der Vorstellung. „Ich habe es sowieso nicht so mit Grammatik“, kontert sein etwa zehnjähriger Sohn.