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Liebe, Abschied, Drogen, Sex: Drei Stars lesen Lyrik von Gainsbourg

Liebe, Abschied, Drogen, Sex: Drei Stars lesen Lyrik von Gainsbourg

Gut 400 enthusiastische Zuschauer erleben am Samstagabend im Trierer Stadttheater einen poetischen Auftakt des Festivals Total Theater. Die französischen Schauspiellegenden Jane Birkin, Michel Piccoli und Hervé Pierre rezitieren Gedichte ihres 1991 verstorbenen Weggefährten Serge Gainsbourg.

Trier. Es herrscht eine internationale Atmosphäre am Samstagabend im gut gefüllten Foyer des Trierer Theaters. Ein sichtlich stolzer Intendant Gerhard Weber kann viele frankophone Gäste aus der Großregion zum Auftakt des Festivals Total Theater begrüßen, das in Kooperation mit dem Theater in Thionville und dem Théâtre National du Luxembourg noch bis zum 30. November stattfindet (weitere Infos über <%LINK auto="true" href="http://www.theater-trier.de" class="more" text="www.theater-trier.de"%> ).
Nationalheiligtum Gainsbourg



Aber auch viele Trierer lassen sich die Gelegenheit nicht nehmen, die französischen Stars Jane Birkin, Michel Piccoli und Hervé Pierre zu sehen und zu hören. Auch wer, wegen mangelnder Französischkenntnisse, den lautmalerischen und verschachtelten Gedichten des großen Poeten Serge Gainsbourg (1928-1991) nicht wörtlich folgen kann, versteht doch die Klangspielereien und Stimmungen der Gainsbourg\'schen Poesie. Gainsbourgs Themen sind zeitlos, es geht um Liebe, Abschied, Sex, Drogen und Schmerz, der Ton ist mal böse, mal ganz zärtlich.
Dessen ehemalige Lebens- und Duettpartnerin, Jane Birkin, interpretiert vor allem die zärtlichen Liebesgedichte des ausschweifenden "enfant terrible" und Lieblings der französischen Kulturszene. Hier schwingt tatsächlich noch der authentische Geist des gemeinsamen, erotisch gehauchten Skandal-Welthits "Je t\'aime ... moi non plus" (1969) mit, die Fans im Trierer Theater lauschen gebannt. Die jugendliche Mitsechzigerin schmilzt vor echter Hingabe, ihr unüberhörbarer britischer Akzent gibt den Texten noch eine besonders sympathische Farbe.
Zärtlichkeit und Melancholie


Michel Piccoli, er ist mittlerweile auch schon 89, glänzte und glänzt noch heute in zahllosen Filmen und auf der Theaterbühne. Seine natürliche und emotionale Rezitation ist schlicht ergreifend. Ein Höhepunkt das "Schush schush, Charlotte", das Gainsbourg für seine Tochter - von Jane Birkin - geschrieben hatte. Zärtlich und melancholisch, von Piccoli sehr empathisch gelesen.
Als Dritter im Bunde und als Bindeglied erweist sich der Schauspieler Hervé Pierre, ein Urgestein der Comédie Française in Paris. Mit seiner sonoren Stimme und überragenden darstellerischem Ausdruck verleiht er den Texten Vitalität und Überzeugungskraft.
Stimmungsvoll und punktgenau begleitet werden manche der "poèmes" durch den Pianisten Fred Maggi, die Musik verzaubert das Publikum endgültig.
Stehende Ovationen zum Abschluss. DT