Liebe, Krieg und kreative Flucht

Liebe, Krieg und kreative Flucht

Routiniert und brandneu, leise und laut - aber immer mit viel Gefühl: Die Trierer Band vandermeer hat in den vergangenen Wochen nachdrücklich auf sich aufmerksam gemacht. Nicht nur wegen eines gewonnenen Wettbewerbs.

Trier. Das Ambiente ist wichtig, das muss stimmen: Die Bühne ist in blaues Licht getaucht, Nebel steigt hoch. Davor: viele Freunde, Bekannte, Fremde im Plüschsessel und an den Bartischen. Harmke van der Meer nippt am Rotwein, greift zum Mikro - und die Nervosität ist spätestens beim zweiten Stück verflogen.
Es war der erste bedeutende Auftritt für sie und ihre fast gleichnamige Band vor einigen Wochen im gut gefüllten Casino am Kornmarkt als Support für die befreundete Band "matz.". Zuvor hatte vandermeer ein halbes Dutzend kleinerer Warm-up-Shows in Trierer Kneipen, Gaststätten und Kinosälen hinter sich gebracht. Der Abend wurde zum großen Erfolg für beide Gruppen.
Nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: vandermeer ist keine Live-Band, die nur bei gedimmtem Licht, von der Couch aus und mit Merlot in der Hand funktioniert. Die Band kann man sich auch bestens auf jedem niveauvollen Stadtfest vorstellen. Es wird destilliert, was die Bandmitglieder berührt, wobei die musikalische Sozialisation ganz unterschiedlich ist: Beatles, Hardrock der 70er, Grunge, aber auch klassisches Songwriting - irgendwo dazwischen ist vandermeer zu Hause. Kein Metal, keine 80er, keine Gimmicks.
"Wir können im Grunde zwei komplett verschiedene Shows spielen", sagt Gitarrist Florian Stiefel. "Zum einen ganz zurückgenommen, als Akustikversion, aber eben auch richtig rockig." Die Vielseitigkeit kommt zwangsläufig. Zum einen probt die Band in der Altbauwohnung in Trier-Süd, die sie gern liebevoll "Kreativitätsfabrik" nennt, in der aber schon wegen der Nachbarn die Verstärker nicht bis auf "11" gedreht werden können. Zum anderen haben Florian Stiefel und Harmke van der Meer die meisten Songs zuvor auf der Akustikgitarre geschrieben. Bass, Schlagzeug und die endgültigen Arrangements kamen später hinzu. Und wer es leise kann, kann es meist auch laut.
Die Zahl der gemeinsamen Konzerte lässt sich zwar noch mit zwei Händen abzählen. Live hört man aber, dass Profis am Werk sind. Bassist Tom Rüdell und Schlagzeuger Jörg Becker sind bestens abgestimmt, beide spielen auch bei "matz" zusammen. Dazu kommt das kreative Gitarrenspiel von Florian Stiefel, der jedes Genre-Klischee immer weiträumig umschifft. Im Vordergrund steht aber Harmke van der Meer - ihr möchte man jede Silbe glauben, die sie singt: eindringlich, aber nie aufdringlich. Dass die Band auf ihren Nachnamen hört, war nicht ihre Idee. "Das haben die anderen vorgeschlagen", sagt sie. "Wir wollten einen griffigen Namen, aber keinen Künstlernamen". Man habe sich dann auf den Nachnamen geeinigt, ohne die Leerzeichen. Die Sängerin hat niederländische Wurzeln und zugleich - wie ihre drei Kollegen auch - saarländische: "Wir leben aber alle seit Jahren schon in Trier."
So waren die Vier lange befreundet, bevor sie vor einem Jahr beschlossen, gemeinsame Sache zu machen. In die Form gegossen wurden die Songs bei einem Wochenende in einem abgelegenen Ferienhaus im Hunsrück. Eine kreative Flucht, um sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Demnächst sollen Studio-Aufnahmen folgen. Die Quattropole-Jury hat vandermeer schon mit der Demoversion von "All is Fair in Love and War" überzeugt: Die Band gewann den Facebook-Wettbewerb des Städtenetzwerks und bekommt als Gewinn einen Auftritt in einer Quattropole-Stadt.
Nächster Auftritt: 18. Mai, MJC-Keller, Trier.

Mehr von Volksfreund