Liebeserklärung und Balkanparty: So musizieren die Roma-Völker

Liebeserklärung und Balkanparty: So musizieren die Roma-Völker

Wenn das Publikum schon beim zweiten Song wild in die Hände klatscht, muss der Künstler es richtig gemacht haben. Goran Bregovic und sein Hochzeits- und Bestattungsorchester lieferten neben fein abgestimmten Klängen eine fette Balkanparty in der ausverkauften Luxemburger Philharmonie.

Luxemburg. Das erste Stück ist ein weiches verträumtes Schlaflied, das eben aufgrund seiner Ruhe und Zartheit überrascht. Doch gleich beim zweiten Song kracht es richtig in der ehrwürdigen Philharmonie in Luxemburg. Die Party, die Goran Bregovic dann startet, hält die Zuschauer nur mühsam auf ihren Sitzen. Auf der Bühne reihen sich Streicher, ein sechsköpfiger Männerchor und bulgarische Sängerinnen auf. Aus den hinteren Reihen des Saales marschieren Bläser musizierend - quasi mit Pauken und Trompeten - nach vorn.
Die Musik kommt vom Balkan, reißt mit, wird immer schneller. Streicher, Bläser, Percussion und Gesang vermischen sich zu einem perfekt abgestimmten verrückten Arrangement. Bregovic, selbst aus Sarajewo in Bosnien-Herzegowina stammend, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Balkanklänge mit leichten orientalischen Einflüssen in die Welt hinaus zu tragen. Seine Musik ist eine Liebeserklärung an die Roma-Völker. Im Gepäck hat der Musiker seine Platte "Champagne for Gypsies", eine Auswahl von Hochzeits- und Beerdigungsstücken und Filmmusik beispielsweise aus "Arizona Dreams" mit Johnny Depp, Faye Dunaway und Jerry Lewis.
Bregovic selbst ist Teil seines Orchesters. Er trägt zwar als Einziger einen weißen Satinanzug und spielt die Akkustikgitarre. Im Gegensatz zu anderen Künstlern gibt er seinen Musikern aber unglaublich viel Raum, ihre musikalischen Fähigkeiten zu zeigen. So glänzt der Männerchor mit religiösen Soloparts. Muharem Redzepi verzaubert mit Percussions und seinen arabischen Gesangseinlagen. Die weinenden Geigen der Streicher gehen mitten ins Herz.
In der zweiten Halbzeit tanzen und klatschen die 1450 Besucher. Nach mehr als zweieinhalb Stunden findet die unvergessliche Balkanparty ein Ende. MRA