Liebesleid und psychedelische Klänge

Liebesleid und psychedelische Klänge

Um musikalische Zeugnisse von Liebeslust und -frust ging es beim zweiten Konzert der Reihe Pianissimo Nö. Mit einem interessanten Programm war der Pianist Kai Schumacher in der Tufa zu Gast.

Trier. Die Liebe gilt bekanntlich als Himmelsmacht, und ebenso unberechenbar ist sie. Am lustvollen Dauerbrenner arbeitete sich dieser Tage auch Nachwuchspianist Kai Schumacher in der Tufa-Reihe "Pianissimo nö", epochenübergreifend und zeitreisend ab. Von Bach und Purcell über Schubert und Liszt bis hin zur alternativen englischen Rockband Radiohead reichten die musikalischen Zeugnisse von Liebeslust und -frust. In ein wahres Wechselbad der Gefühle tauchte der Folkwang-Absolvent, der in diesen Tagen 37 Jahre alt wird, seine Zuhörer.
Munter plaudernd unterfütterte er das Ganze mit eigenen Beziehungserfahrungen. Musikalisch klang Schumachers Spiel mal wie ein beruhigendes Wellness Programm. Ein anderes Mal setzte der einstige Punk-Pianist mit der musikalischen Tränenflut das Klavier unter Wasser und ließ zornig die Tasten scheppern. Was für ein interessanter Musiker der in Baden-Baden aufgewachsene Künstler ist, der häufig mit zeitgenössischen Komponisten zusammenarbeitet und auch als Produzent tätig ist, wurde allerdings erst in der zweiten Hälfte des Konzerts so richtig erkennbar, in der Schumacher sein neues Album "Transcriptions" vorstellte. Eigentlich ist das Album eine Hommage an die Musikgruppen, die Schumacher inspirierten, wie die amerikanische Band Nirvana oder die ehemalige Berliner Gruppe Moderat.
Schumacher gilt seit jeher als ein Crossover-Künstler. Der junge Pianist hat ein enormes Gespür für die Kultur des Klanges, seine Farben und seine Sinnlichkeit. In seinen Transkriptionen verbindet er Live-Klaviermusik mit am Computer bearbeiteten Klavierklängen. Dabei entsteht eine völlig neue Klangtextur, deren Klangfarben alle möglichen Assoziationen hervorrufen. Großartig gelang das in einem Stück, das der englischen Band Prodigy gewidmet war, in dem sich psychedelische Klänge mit dem Stampfen der Musik von Philip Glass mischten. Feinsinnig und wunderbar klangsinnlich im Stil von Camille Saint-Saens die überraschenden Transkriptionen zur Trash Metal Band Tom Sayer. Leider waren kaum 20 Zuhörer im Tufa-Saal, die aber umso begeisterter waren. er

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