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Liebessehnsucht und Truthahnknochen

Liebessehnsucht und Truthahnknochen

Wünsch dir was, heißt es in der neuen Ausstellung im Trierer Palais Walderdorff. Dort präsentiert Pia Müller ihren künstlerischen Wunschzettel.

Trier. Wer sie kennt, weiß es: Pia Müller bringt sich mit Leib und Seele ein. In ihrer Kunst, einer fantasievollen Mischung aus Körpereinsatz und Gestaltungswillen, bleibt sie immer ganz sie selbst. Wobei nicht nur ihr Körper Ausdrucksmittel ist. Die 1978 geborene Künstlerin, die heute wieder in Wittlich lebt und an der Hochschule der Bildenden Künste Saar studiert hat, veräußert in jeder ihrer Arbeiten auch ihre ganze Seele.
Ein von ihr gestalteter Ausstellungsraum ist seit jeher Seelenraum, aus dessen Vorräten sie schöpft und in dem sie Sehnsüchte, Ängste und Träume als Bild überformt. Eben das macht Pia Müllers Kunst dringlich und stets redlich. Diesmal sind es die Wünsche, die sich die vielseitige Künstlerin zum Thema gewählt hat, die eigenen und die andernorts vermuteten. Darf man Psycho-Vater Sigmund Freud glauben, so gehören die Wünsche wie die Träume zu den starken Trieben wie Antrieben des Menschen. Auch Pia Müller, deren künstlerisches Spektrum von der Performance über die Objektkunst bis zur Zeichnung reicht, hat eine ganze Sammlung von Wünschen künstlerisch aufgearbeitet, unter ihnen die ewig menschliche Sehnsucht nach Liebe. Als Selbstauskunft wirkt der künstlerische Wunschzettel bisweilen ausgesprochen anrührend.
So wie das nackte Blümchen, dessen ausgerissene Blütenblätter dem alten Liebestest geschuldet sind: "Er liebt mich, er liebt mich nicht". Das Schriftbild nebenan lässt offen, wer wen liebt, Hauptsache er liebt überhaupt. Wünsche sind mannigfaltig, wie hier zu sehen ist und nicht selten geschlechtsabhängig. So wie beim Haar, das sich, jedenfalls nach Meinung der gebürtigen Wittlicherin, Mann allerorts voll wünscht, Frau dagegen nur an der richtigen Stelle.
Den Wunsch ihres Kindes nach vielen bunten Zeichnungen hat Pia Müller ebenso dokumentiert, wie die fallenden Sterne bei deren Anblick der Betrachter bekanntlich einen Wunsch frei hat. Und einen Wunschbrunnen, nach Art der römischen Fontana di Trevi, in den man heimlich wünschend eine Münze wirft, gibt es auch. Eine besondere Rolle spielt bei der Schau im Palais Walderdorff ein alter Brauch, der dem amerikanischen Thanksgiving Day entstammt. Beim traditionellen Truthahnessen dürfen dort zwei Gäste das dann fleischlose Gabelbein des gebratenen Tiers mit den Fingerspitzen auseinanderziehen. Wer beim Brechen den größten Teil des Knochens behält, kann einen Wunsch äußern.
Im Obergeschoss hat die Künstlerin eine ganze Reihe solcher Mini-Gabelbeine aus Keramik zum vielteiligen Bild arrangiert. Durchgestaltet und schlüssig ist die Serie die stärkste und wichtigste Arbeit der Schau. Dem Gabelbein Bruch galt auch die Eröffnungsperformance des Abends, bei der Pia Müller und Genevieve Bujung-Coulanges den amerikanischen Brauch als Einstimmung auf die Wunsch-Schau demonstrierten. er
Bis 24. September, Öffnungszeiten Dienstag, Donnerstag und Freitag 11 - 13 Uhr und 14 - 17 Uhr, Samstag 10 - 13 Uhr, <%LINK auto="true" href="http://www.gb-kunst.de" text="www.gb-kunst.de" class="more"%>