Liebreizende Schönheit und jugendliche Energie

Mit großer Kammermusik, ausgeführt von einem Ensemble, dem man ebenfalls das Prädikat groß verleihen muss, gestaltete der Musikkreis Stadt Wittlich einen weiteren Abend in der Synagoge. Nicht nur den Schlussapplaus kennzeichneten etliche Bravorufe.

 Sebastian und Nanette Schmidt sowie Roland Glassl vom Mandelring-Quartett in der Wittlicher Synagoge. TV-Foto: Gerhard W. Kluth

Sebastian und Nanette Schmidt sowie Roland Glassl vom Mandelring-Quartett in der Wittlicher Synagoge. TV-Foto: Gerhard W. Kluth

Wittlich. In diesen Tagen darf in einem Konzertprogramm der Name Felix Mendelssohn Bartholdy, dessen Geburtstag sich vor wenigen Tagen zum 200. Male jährte, nicht fehlen. Auch und gerade nicht in einem Kammerkonzert. So fand sich das Streichquintett A-Dur auf dem Programm des letzten Abends, der im Rahmen der Wittlicher Konzerte in der dortigen Synagoge stattfand. Ausführende waren das Mandelring-Quartett, verstärkt durch den Bratschist Gunter Teuffel. Johannes Brahms war von diesem Opus 18 überaus angetan, was man verstehen kann, wenn man die Interpretation in Wittlich miterlebt hat. Die Sanglichkeit, mit der das Ensemble sich dem 1832 entstandenen zweiten Satz widmete, diese liebreizende Schönheit, die es mit zarten Farben darzustellen wusste, war anrührend. Völlig zurecht wohnte den übrigen drei Sätzen, geschrieben 1826, ein anderer Gestus inne. Hier dominierte der jugendliche, der 17jährige Komponist, voller Fantasie, manchmal ein wenig übermütig, energisch und auslotend.

In eine ganz andere Welt entführten die Pfälzer Geschwister Sebastian (Primus), Nanette (zweite Violine) und Bernhard Schmidt (Cello) zusammen mit dem Bratschist Roland Glassl ihr Publikum vor der Pause mit dem Streichquartett Nr. 1 von György Ligeti, dessen Wurzel, ein viertöniges chromatisches Motiv, einer fortwährenden Veränderung unterworfen wird. Packend, dramatisch, vorwärtsdrängend und auf ein nicht sofort erkennbares Ziel zustrebend, so erklang diese Komposition in Wittlich, deren technisch hohe Anforderungen den Musikern keinerlei Probleme bereiteten. Verständlich, dass hier am Ende die ersten Bravorufe zu vernehmen waren.

Nach der Pause ging es wieder, verstärkt durch Teuffel, mit dem Quintett G-Dur, Opus 111, von Johannes Brahms in die romantische Üppigkeit. Mit breitem, sattem Ton schwelgten die Musiker in diesem komplexen Werk, verstanden es, einerseits die Melancholie, andererseits aber auch den unbeschwerten, fast schon volkstümlichen Ton zu treffen.

Auch hier gab es lautstarken Beifall, und man konnte sich am Ende des Abends nicht ganz sicher sein, was jetzt mehr fasziniert hatte. Die exzellenten musikalischen Darbietungen oder das nahezu perfekte Zusammenspiel des Ensembles.