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Liedermacherduo "leider geil"

Liedermacherduo "leider geil"

Simon und Jan begeistern 100 Zuschauer in der Tufa.

Trier Liedermacher sind selten in der deutschen Kulturlandschaft. Umso bemerkenswerter, dass mit den beiden Oldenburgern Simon Eickhoff und Jan Traphan zwei junge Musiker dieses Genres nach Trier gekommen sind, die mit ihrem Programm Halleluja die knapp 100 Zuschauer im vollbesetzten kleinen Saal der Tufa begeistert haben.
Im Mittelpunkt ihrer Lieder stehen die Texte, in denen die beiden von einem Thema zum anderen schwirren, diese in absurder Weise mixen, dabei beispielsweise von Alcopops zu Affen kommen, die auf den Mond geschossen werden, und trotzdem einen roten Faden einhalten. Oft mit zynischem Unterton versehen prangern die beiden gesellschaftskritische Missstände an, wenn "Alles nur gelogen" ist, sie das Punktesammeln an der Supermarktkasse und das Liken von Beiträgen in sozialen Netzwerken mit "Leck mich" kommentieren oder wenn Autos zwar Dreck machen und die Umwelt verpesten, die neue Karre aber "leider geil" ist.
Und wenn die beiden Sänger Kriege im Namen der Religion und den Missbrauch von Messdienern thematisieren, dauert es zwar einige Momente, bis die Zuschauer reagieren. Dafür fällt der Applaus umso heftiger aus. Doch gelingt es den Liedermachern, nahezu alle ernste Themen mit viel Gelassenheit, einem Augenzwinkern und einem Schuss trockenem Humor vorzutragen.
Etwa wenn Simon und Jan ein ganzes Jahr mit den wenigen Worten Helene Fischer, Vogelgrippe und Ebola in ein wenige Sekunden dauerndes Lied packen oder zu einem Hauch von Kukident die Herzschrittmacher im Dreivierteltakt schlagen. "Ein Rollator rockt nicht, aber er rollt", lautet ihr Resümee. Neben dem Wortwitz zeichnen sich die Lieder von Simon und Jan durch den ruhigen Gesang und gekonnte Tempowechsel in vielen Liedern aus. Ein Erlebnis für sich sind die Ansagen des schüchtern und verklemmt wirkenden Jan mit messerscharfen Pointen - zum Mitsingen und zum Lachen.
Es ist kein Abend mit "Krawall und Remmidemmi", wie Simon und Jan singen. Dafür ein gelungenes Konzert mit humorvollen und gleichzeitig hintergründigen Texten, von denen man gerne öfter welche hören möchte.