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Linien, die sich in Hölzer graben

Linien, die sich in Hölzer graben

Einen der wenigen zeitgenössischen Holzschneider zeigt die Galerie Contemporanea in Oberbillig. "Hölzer" und Arbeiten auf Papier von Martin Noël sind dort zu sehen.

Oberbillig. Die Linie ist eines seiner beiden großen Themen. Mit ihren Verläufen, Verästelungen und Vernetzungen, ihrer Gerinnung beschäftigt sich Martin Noël seit vielen Jahren.

Nicht nur das Lineament seines inneren Auges ist dabei gefragt, sondern auch, was er an Linien in seiner ganz alltäglichen Wirklichkeit wahrnimmt. So wie die zittrigen feinnervigen Riss-Muster, die ein Anschlag lange vor dem 11. September in den Platten der Tiefgarage des World Trade Center hinterlassen hatte und die jetzt als schwarz-weiße Grafikserie in der Galerie Contemporanea in Oberbillig zu sehen sind.

"Ich sehe was, was du nicht siehst" wird Noël gern angesichts solch inspirierender Entdeckungen zitiert. Noch etwas anderes hat er wiederentdeckt, das auch als Werkgruppe in Oberbillig zu sehen ist und das Noël als wirklich eindrücklichen Künstler ausweist.

Der 1956 geborene Maler und Grafiker aus Bonn hat den Holzschnitt neu belebt und gleichsam umgekehrt. Nicht länger ist ihm der Holzstock ein Instrument im bildgebenden Verfahren des Druckes.

Er wird selbst zum Bildträger. Noëls klein- und mittelformatige, zum Teil farbig gefassten "Hölzer", in die er seine Linien eingräbt, sind die schönsten Stücke dieser Schau, die zudem wunderbar mit dem lichten Galerieraum harmonieren.

Im Spannungsfeld zwischen Fläche und Raum, zwischen Malerei und bildhauerischer Einwirkung, bewegen sie sich mit Leichtigkeit und Anmut. Weniger überzeugen dagegen seine neuen Glasarbeiten an der Außenwand mit ihren schicken Chromhalterungen und der wenig gelungenen Beziehung zum Beton.

Bis 8. November., Di - Sa 15-19 Uhr und nach Vereinbarung, www.contemporanea.de, Lerchenweg 26, 54331 Oberbillig.