Literarischer Blick über den Ozean

Literarischer Blick über den Ozean

Irak-Krieg, politische Machtkämpfe, das Streben nach Freiheit: Beim dritten Trierer Literaturgespräch haben Hubert Spiege, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und weitere Experten darüber diskutiert, welches Bild amerikanische Autoren in den vergangenen Jahren von ihrem Heimatland gezeichnet haben.

(hsc/as) Aus dem Fernsehen kennt man Literatursendungen schon lange: "Das literarische Quartett", "Lesen" mit Elke Heidenreich oder "Druckfrisch" mit Denis Scheck - überall wird empfohlen, kritisiert, zerrissen und gelobt. Vielleicht ist die Nachfrage nach diesen Fernsehformaten mit ein Grund dafür, warum die dritte Auflage des Literaturgesprächs zur aktuellen amerikanischen Literatur in der Stadtbibliothek am Weberbach rund 200 Besucher angelockt hat.

Die Literaturbegeisterten waren gekommen, um dem Expertengespräch von Hubert Spiegel (Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung) und den Literaturwissenschaftlern Gerd Hurm (Leiter des Zentrums für Amerikastudien der Universität Trier), Sebastian Fett (Lehrer in Koblenz) sowie Michael Embach (Leiter der Stadtbibliothek Trier), zu lauschen. Organisiert hatten die Veranstaltung das Zentrum für Amerikastudien der Uni Trier, Stadtbibliothek und Volkshochschule Trier.

Einblicke in die USA der Gegenwart



Die Experten tauschten ihre Gedanken über drei amerikanische Romane aus, deren deutsche Übersetzungen 2010 erschienen sind. Neben "Freiheit" von Jonathan Franzen und "Mit Blick aufs Meer" von Elizabeth Stout stand "Der Omega-Punkt" von Don DeLillo auf dem Programm.

Drei Romane, die unterschiedlicher nicht sein könnten und trotzdem eines gemeinsam haben: Sie zeigen die USA der Gegenwart - noch immer beeinflusst vom 11. September 2001, von den Auswirkungen des Irak-Krieges gespalten, in deren Folge die Ideale in Religion, Kultur oder Politik nicht mehr so intakt sind wie in den Jahren zuvor.

Drei Romane, zu denen Hubert Spiegel eine ganz eigene Meinung hat: Mit dem "schmalen Buch, in dem viel steckt" von Don DeLillo "sei er noch längst nicht fertig". In dem Roman von Elizabeth Strout hat der Literaturkritiker erkannt, dass die Provinz in Neuengland nicht viel anders ist als die Provinz in Rheinland-Pfalz oder Bayern. An Franzens "Freedom" schätzt Spiegel vor allem die Begabung des Autors, Dialoge fesselnd wiederzugeben. Trotz des Lobes wirft der Experte Franzen vor, sich nicht zwischen politischem Kommentar und Familienroman entscheiden zu können.

Bei der Besprechung der einzelnen Romane gelangen die Experten rasch auf eine übergeordnete literaturwissenschaftliche Ebene. Und trotzdem schafft die Veranstaltung eines auf jeden Fall: Sie macht Lust auf amerikanische Literatur der Gegenwart.

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