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Literaturfestival: Die katholische Welt des Matthias Matussek

 Matthias Matussek tritt für eine Kirche ohne Reformen ein. TV-Foto: Nora John
Matthias Matussek tritt für eine Kirche ohne Reformen ein. TV-Foto: Nora John
Wittlich. Alles soll so bleiben wie es ist. Das wünscht sich Matthias Matussek zumindest in Bezug auf die katholische Kirche. Bei einer Lesung im Rahmen des Eifel-Literaturfestivals hat er vor 220 Zuhörern in der Wittlicher Synagoge aus seinen Büchern "Das katholische Abenteuer" und die "Apokalypse nach Richard" gelesen. Nora John

Reichlich Vorschusslorbeeren gibt es für den Journalisten und Autoren Matthias Matussek, bevor er Passagen aus seinen Büchern vorträgt. Wittlichs Bürgermeister Joachim Rodenkirch nennt es wohltuend, dass sich jemand zu Werten bekennt. Josef Zierden, der Organisator des Eifel-Literaturfestivals, lobt ihn als sprachlich brillant.
Letzteres trifft zweifellos zu. Matussek versteht es, mit der Sprache umzugehen, er schildert bildhaft und lebendig und unterlegt seine Thesen mit Beispielen aus den täglichen Nachrichten. So spricht er von den sieben Todsünden, die "uns fester im Griff haben als je zuvor". Die Gier belegt er mit den Bänkern, die für die Finanzkrise verantwortlich sind, bei der Wollust müssen in seinem Buch "Das katholische Abenteuer" müssen Politiker mit ihren Sexaffären herhalten. Dabei spricht Matussek mit leicht spöttischem Unterton. Die Zuhörer reagieren mit Gelächter.
Matussek wettert gegen vieles. Vor allem aber gegen Kirchenkritiker Heiner Geissler. Mit beißendem Sarkasmus spricht er vom angeblich "ersten Menschen ohne Sünde seit Jesus". Gänzlich kritiklos äußert er sich dagegen über Papst Benedikt. Auch dessen Vorgänger, der "Jahrhundertpapst" Johannes Paul II scheint über negative Bemerkung erhaben. Der Pole habe, so Matussek, sein Land in die Freiheit geführt. Ja gut, die Gewerkschaft und das Volk waren auch beteiligt, räumt er ein.
Auch die Missbrauchsdebatte bei der Katholischen Kirche kommt zur Sprache. Natürlich sei auch er entsetzt über jeden Missbrauchsfall in der Kirche, versichert er. Aber 99,9 Prozent der Fälle würde eben außerhalb der Kirche passieren. Gebet, der Besuch des Gottesdienstes, die Beichte, das sind für Matussek die wichtigen Säulen des Katholizismus. Begriffe wie christliche Nächstenliebe oder Seelsorge sind nicht sein Thema, Hauptsache die äußere Form stimmt.
Neuerung in der Kirche wie etwa Frauen in Priesterämtern lehnt er kategorisch ab. Deutschland mache nur zwei Prozent der Weltkirche aus. Den Katholiken in Nigeria und in anderen Teilen der Welt seien solche Reformen nicht zu vermitteln. Es soll eben alles bleiben wie es ist.