Lupenreine Klassik

Die Konzer Sommerkonzerte und die damit verbundene Sommerakademie sind längst feste Institutionen. Seit der Gründung 1994 haben in Konz und der Großregion 179 Konzerte stattgefunden. Akademieleiter Paul Trein zielte von Beginn an auf die Kombination von Kursen und Konzerten. Sein Konzept hat sich bewährt.

Klassik? Sogar unter Musik-Konsumenten hat sich die Worthülse mittlerweile zum schwammigen Sammelbegriff entwickelt, der alles umfasst, was eben nicht Jazz, Pop, Schlager oder Weltmusik ist.
Wenn Paul Trein dagegen in den Konzer Sommerkonzerten (von Sonntag, 28. August, bis Sonntag, 11. September) Klassik zum Programm-Schwerpunkt erklärt, dann meint er anderes: Musik von Haydn, von Mozart und dem jungen Beethoven. Musik, die schon zu Lebzeiten Beethovens als Maßstäbe setzend galt. Die Konzer Sommerkonzerte konzentrieren sich auf diese Wiener Klassik, ohne freilich Romantik und sogar Impressionismus ganz auszublenden.

So wird in der Eröffnungs-Matinee nicht nur Beethovens berühmte Klaviersonate "Les Adieux" auf dem Programm stehen, sondern auch Klaviermusik von Bach, Chopin, Liszt und als Rarität die Cellosonate von Claude Debussy.

Das abschließende Orchesterkonzert (Sonntag, 11. September, 11 Uhr, Kloster Karthaus) dagegen ist lupenrein klassisch: Ein Klavierkonzert von Haydn (G-Dur Hob. XVIII:4), Mozarts herrliches Klavierkonzert KV 453, dessen Finale vom Ruf eines "vogel staar" abgeleitet ist, und schließlich Beethovens zweites Klavierkonzert, chronologisch das erste. In dieser Ausschließlichkeit ist Wiener Klassik in keinem normalen Sinfoniekonzert präsent.

Hinzu kommen im Kloster Karthaus zwei Kammerkonzerte (4. und 7. September, 11 beziehungsweise 20 Uhr), unter anderem mit Beethovens berühmter "Kreutzer"-Violinsonate und dessen "Mondschein-Sonate" für Klavier. Ganz freiwillig ist diese Beschränkung nicht. Orchester-Romantik ist größer besetzt und für eine Aufführung deutlich teurer. Und der Festsaal Karthaus ist für klassisches Orchester und Kammermusik ideal, nicht dagegen für orchestrale Romantik. Aber Paul Trein hält auch fest: "Klassik ist einfach die Basis". Wer die kennenlernen oder wiederentdecken will, ist bei den Sommerkonzerten bestens aufgehoben.

Am Konzept der Reihe lässt sich nicht mehr viel optimieren. Aus 26 Ländern kommen weitgehend fertige Musikerinnen und Musiker, um ihren musikalischen Horizont zu erweitern - durch Auftritte, aber auch in Diskussionen hinter den Kulissen. Der Verein "Vogel als Prophet" fördert das Projekt. Konzer Familien stellen ihre Gästezimmer zur Verfügung. Und die Treue der Gäste ist enorm, manche kommen schon seit mehr als zehn Jahren zu den Kursen. Da zeichnet sich deutlich ab, worauf Kurse und Konzerte zielen: die klassische Musik besser zu verstehen - und die Musiker dazu.Extra

Sonntag, 28. August, 11 Uhr; Sonntag, 4. September, 11 Uhr; Mittwoch, 7. September, 20 Uhr; Sonntag, 11. September, 11 Uhr. Weitere Konzerte in Losheim, Montigny-lès-Metz, Trier, Bitburg und Strassen (Luxemburg) Weitere Informationen: www.piano-konz.de

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