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Lust auf Lesen: Preisgekrönte Projekte im Raum Trier

Leseförderung : Piktogramme und Leseratten, Bücherkisten und Feriencamps

Diese ebenfalls sehr kreativen regionalen Projekte erhielten beim Wettbewerb des Vereins zur Leseförderung Preisgelder von 250 oder 500 Euro.

(BP) Eine neue Bücherei, eine Aktionswoche, neue Wege der Lehrerausbildung: Ganz unterschiedliche Ansätze der Leseförderung lieferten auch die fünf weiteren Projekte, die am Wettbewerb des Vereins zur Leseförderung teilnahmen. Alle Teilnehmer erhielten Preisgelder in Höhe von insgesamt 2000 Euro. Hier die Kurzportraits dieser Projekte.

Rosenberg-Schule: Lesen lernen mit Piktogrammen (500 Euro Preisgeld)

In der Rosenberg-Schule mit dem Förderschwerpunkt ganzheitliche Entwicklung in Bernkastel-Kues lernen Kinder, die Schwierigkeiten beim Lesen lernen haben. Diesen Schülern trotzdem einen Zugang zur Schriftsprache zu ermöglichen, war das Anliegen. Bereits vor dem Corona-bedingten Fernunterricht wurden lebensnahe, motivierende Piktogramme eingesetzt, um diese später durch Signalwörter zu ersetzen und damit erlesbarer für diese Schüler zu machen. Beim Fernunterricht konnte die Anzahl der Piktogramme sowie der mit Wörtern zu ersetzenden Piktogramme stetig gesteigert werden. Diese wurden so ausgerichtet, dass sie im nachfolgenden Präsenzunterricht als Erzähl- und Lesehilfe eingesetzt werden können. Davon profitieren auch die übrigen Schüler, weil die Aufgabenstellungen eindeutig und schnell nachvollziehbar sind.

Um die Spannung beim Lesen zu erhöhen, wurden Lesekrimis ausgewählt. In einer lesestärkeren Gruppe wurden Krimis in leichter Sprache gemeinsam mit den Schülern erarbeitet, gelesen, vorgelesen, vorgetragen und Fragen schriftlich dazu beantwortet. Einmal im Jahr gibt es zudem einen Vorlesewettbewerb, an dem die ganze Schule teilnimmt.

Mit dem Preisgeld soll ein Regal mit Büchern zum Ausleihen sowie eine Lese-Ecke sowie Tablets zur digitalen Leseförderung angeschafft werden.

Kurfürst-Balduin-Realschule plus Wittlich: Neue Schüler-Bücherei (Preisgeld 500 Euro)

Bereits einige Zeit vor Corona reifte der Gedanke, mehr Schülerinnen und Schüler zum Lesen zu motivieren. Ein kleiner Bücherschatz fand sich in den Kellerräumen der Schule. Mit Muße und Vorfreude wurden alte Klassiker wieder auf Vordermann gebracht. Gesäubert, katalogisiert und gekennzeichnet fanden sie den Weg zurück ins Bücherregal, Lehrer spendeten eigene Kinder- und Jugendromane, die Stadtbücherei Wittlich verschenkte Bücher des Lesesommers und Schüler brachten bereits gelesene Bücher für die neue Schüler-Bücherei mit. Auch der Förderverein stellte Geld zum Kauf neuer Bücher zu Verfügung. So wurden mittlerweile rund 900 Bücher zum Ausleihen vorbereitet.

Seit etwas mehr als einem Jahr finden die Schüler in der neuen Bücherei Lesestoff zu zehn verschiedenen Bereichen. Die Leseecke lädt mit selbst genähten Kissen zum Schmökern ein – gemeinsam mit dem selbst gestalteten Maskottchen, Lorenzo, der Leseratte.

Ein festes Team aus Achtklässlern und die pädagogischen Fachkraft der Schule betreuen die Schüler-Bücherei. Um die Schülerinnen und Schüler zusätzlich zum Lesen zu motivieren, ist eine Lese-AG geplant. Mit dem Preisgeld sollen weitere Bücher angeschafft werden.

Friedrich-Wilhelm-Gymnasium Trier: Leseförderung für Sechstklässler (Preisgeld 500 Euro)

Zum Start der Aktionswoche Lesen haben die Sechstklässler in der Literaturverfilmung des Romans „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak erfahren, wie Bücher mit ihrer Magie einen wesentlichen Beitrag leisten können, in turbulenten Zeiten nicht die Hoffnung zu verlieren, und wie sie Hilfe zum Überleben werden können. Anschließend haben sie eine moderne Präsenzbibliothek kennengelernt und dazu die Stadtbücherei besucht. In der Schatzkammer der Stadtbibliothek in der Weberbach wurde die Geschichte des Buches ergründet. Im Unterricht wählten die Schülerinnen und Schüler dann ihr Lieblingsbuch, stellten dieses den Klassenkameraden vor, gestalteten ein Lernplakat zum Autor sowie eine Bücherkiste zu ihrem Lieblingsbuch, die sie dann beim Tag der offenen Tür den interessierten Viertklässlern vorstellten.

Die Bücherkisten wurden in der Stadtbücherei im Palais Walderdorff ausgestellt, zudem entstand ein Filmprojekt zu den Bücherkisten. Die fünften Klassen richteten sich zudem eine Klassenbibliothek mit mitgebrachten Büchern ein, die sie auch selbst führen und verwalten. Das Preisgeld soll zum Ausbau dieser Klassenbibliotheken sowie zur Förderung neuer Leseprojekte verwendet werden.

Zentrum für Lehrerbildung der Universität Trier: die LeseLUPE (Preisgeld 250 Euro)

Während der Pandemie hat das Zentrum für Lehrerbildung das Projekt „Hand in Hand“ ins Leben gerufen, bei dem Lehramtsstudierende Schulen in Trier und Umgebung unterstützen, die unter stetig wechselnden Corona-Bedingungen analog und digital agieren mussten. Das Projekt war nicht nur eine wertvolle Unterstützung für die Schulen in der Pandemie, sondern auch ein starker Erfahrungsraum in der Praxis für die Lehramtsstudierenden.

Nach den Erfahrungen aus „Hand in Hand“ will das ZfL einen Beitrag leisten, um die Lernrückstände und den erhöhten Förderbedarf zu schließen. Der Fokus der Unterstützung liegt auf der Förderung der Lesekompetenz vornehmlich von Grundschulkindern. In Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen und mit finanzieller Unterstützung der Nikolaus Koch Stiftung hat das ZfL das Projekt LeseLUPE ins Leben gerufen. Lehramtsstudierende der Universität Trier werden durch das ZfL als Lesepaten geschult und an Grundschulen in der Region Trier vermittelt, um dort bei Schülerinnen und Schülern Lesefreude zu wecken und diese in der Lesekompetenz zu stärken.

Jugendtreff Ehrang-Quint: „Nach der Katastrophe – Was im Leben wichtig ist.“ (Preisgeld 250 Euro)

Die Corona-Pandemie und Flutkatastrophe konnten den Jugendtreff Ehrang-Quint nicht stoppen. Schon 2021 führte der Jugendtreff in seinem Ausweichquartier, dem Naturfreundehaus Quint, mit dem Autor Manfred Theisen ein Camp durch, bei dem die Jungen und Mädchen von ihren Erfahrungen in der Corona-Zeit und der Hochwasserkatas­trophe berichten konnten.

 Ein festes Team aus Achtklässlern betreut die neue Schüler-Bücherei der Kurfürst-Balduin-Realschule plus in Wittlich.
Ein festes Team aus Achtklässlern betreut die neue Schüler-Bücherei der Kurfürst-Balduin-Realschule plus in Wittlich. Foto: TV/Schule

Fast ein Jahr danach kam Theisen zum Osterferiencamp des Jugendtreffs wieder nach Ehrang, um mit den Kindern in die Zukunft schauen. Autor und Kinder und Betreuer stellen sich die Frage, was ist im Leben wirklich wichtig. So wurde den Kindern ein besonderes Erlebnis durch das Engagement des Jugendtreff-Teams und des Friedrich-Bödecker-Kreises mit seinem „Kultur macht stark“ – Projekt geboten. Schon jetzt freuen sich die Kinder auf die Fortsetzung im Sommerferiencamp mit Theisen, in dem die Geschichten und Erlebnisse und Fotos und Videos gemeinsam bearbeitet werden und für das Buchprojekt „Wörterwelten“ vorbereitet werden. Mit dem Preisgeld sollen in der zweiten Jahreshälfte 2022 Autorenbegegnungen finanziert werden, zudem soll zum Wiedereinzug in die renovierten Räume der Jugendtreff verschönert werden.