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Luther-Film mit Live-Musik

Luther-Film mit Live-Musik

Mosel Musikfestival: Eine Riesenleinwand zum Reformationsjahr, die Konstantin-Basilika wird zum Kino.

Trier Gewaltiger könnte es kaum mehr werden. Im Riesenraum der Trierer Konstantin-Basilika findet Anfang September eine Veranstaltung zum Reformations-Jubiläum statt, die alle Züge eines großen Events hat. Auf zwei Leinwänden (jeweils 6x3,5 Meter) wird synchron der amerikanisch-britisch-deutsche Film "Luther" von 2003 gezeigt, der zu den erfolgreichsten Darstellungen von Leben und Werk des Reformators gehört.
Schon die Besetzung ist Grund genug, die Aufführungstermine (1./2. September, jeweils 21 Uhr) nicht zu verpassen. Mit Joseph Fiennes in der Titelrolle, Bruno Ganz als Ordensgeistlicher von Staupitz, und vor allem Sir Peter Ustinov als Kurfürst Friedrich der Weise sind brillante Schauspieler am Werk. Die sind zudem nicht nur den Luther-Eingeweihten bekannt, sondern auch dem "gemeinen Mann", wie Luther sagen würde.
Organisator Martin Bambauer nimmt dazu kein Blatt vor den Mund. "Wir wollen das breite Publikum ansprechen", sagt der Kantor und Organist der evangelischen Kirche. Das ist ganz sicher im Sinne des Reformators. Der forderte bekanntlich, "dem Volk aufs Maul zu schauen".
Völlig überraschend entpuppt sich dabei der Kirchenmusiker Bambauer als ausgeprägter Filmmusik-Fan. Die Filmmusik ist in der Tat der Clou beider Veranstaltungen.
Auf den Leinwänden läuft die Handlung ab; Dialoge und Geräusche werden über Lautsprecher eingespielt. Die Musik indessen ist live. Das Philharmonische Orchester Trier spielt sie im Altarbereich unter dem eigens aufgebauten Schalldeckel und wird zweifellos die Palastaula akustisch füllen.
Die Filmmusik zu "Luther" stammt von Richard Harvey. Der ist als Komponist bestens etabliert. Harvey, Jahrgang 1953, startete seine Karriere als Blockflötist, war jahrelang Mitglied des Alte-Musik-Ensembles "Musica Riservata" und erzielte mit seinem "Concerto incantato" einen für zeitgenössische Musik außergewöhnlichen Erfolg. Der Komponist hat eine dichte und reiche Partitur für großes Orchester geschrieben - besetzt mit Streichern, Holz und Blech, mit Schlagwerk, Harfe, Orgel und nicht zuletzt dem gemischten Chor.
An sinnlicher Eindringlichkeit und Gefühlsstärke wird die Live-Aufführung die übliche Filmfassung weit übertreffen. Und dem Komponisten sind die Trierer Aufführungen immerhin so wichtig, dass er seine Anwesenheit zusagte.
Dieses Monumentalprojekt anzuschieben und durchzuhalten ist kein Spaziergang. Aufführungsrechte waren zu erwerben, skeptische Zeitgenossen zu überzeugen, der Ton musste völlig neu abgemischt werden. Noten waren zu beschaffen. Und die Aufführungen benötigen präzise Proben-Vorbereitung. Sonst könnten Bild, Ton und Musik fatal auseinanderlaufen. Das wäre schade um den Aufwand; immerhin belaufen sich die Projektkosten auf einen fünfstelligen Euro-Betrag.
Ganz neu ist die Addition von Film und Live-Klängen für die Ausführenden nicht. Das Philharmonische Orchester Trier hat in den Filmmusik-Reihen der vergangenen Jahre genügend Erfahrung gesammelt für Harveys Komposition. Rechts und links steht ihm der Trie rer Bach-Chor zur Seite, der im teils textierten Gesang und in teils textlosen Vokalisen seine Oratorien-Erfahrung ausspielen kann.
Die Leitung des Riesenvorhabens liegt bei Martin Bambauer. Der bringt nicht nur die Routine des erfahrenen Chorleiters ein, sondern auch die Begeisterung für das reizvolle Projekt. Dabei hofft er auf Interesse beim Publikum und Spendenfreudigkeit bei den Sponsoren. Der Kartenverkauf jedenfalls hat schon begonnen.
Spielfilm "Luther". Regie: Eric Thill. Mit Joseph Fiennes, Bruno Ganz, Peter Ustinov, Claire Cox, Freitag/Samstag, 1./2. September, jeweils 21 Uhr.
Karten gibt es im TV-Service-Center Trier, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie unter www.volksfreund.de/tickets