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Luxemburger Philharmonie: So sieht die Zukunft des Hauses auf dem Kirchberg aus

Luxemburger Philharmonie: So sieht die Zukunft des Hauses auf dem Kirchberg aus

Kurzfristig gesehen ist alles im Lot bei der Luxemburger Philharmonie. Die Zahlen der Konzerte und der Besucher steigen. Auch an der Qualität des Angebots werden keine Zweifel laut. Trotz der positiven Bilanz - Fragen bleiben.

 Das Konzerthaus wurde im Juni 2005 eröffnet. Vor drei Jahren trat Stephan Gehmacher dort die Nachfolge von Matthias Naske an. Foto: Philharmonie
Das Konzerthaus wurde im Juni 2005 eröffnet. Vor drei Jahren trat Stephan Gehmacher dort die Nachfolge von Matthias Naske an. Foto: Philharmonie Foto: (g_kultur

Luxemburg. Wie steht es mit dem Verhältnis der Philharmonie zu anderen, kleineren Veranstaltern? Wie steht es mit der Zukunft zeitgenössischer Musik? Lassen sich Defizite bei Alter Musik im Programm ausräumen? TV-Mitarbeiter Martin Möller sprach darüber mit Philharmonie-Generaldirektor Stephan Gehmacher.

Herr Gehmacher, die Philharmonie hat neben dem neuen Programm eine positive Besucherbilanz vorgestellt. Sind Sie mit dem Besuch zufrieden?
Stephan Gehmacher: Zufriedenheit ist keine Stärke von mir. Aber ich freue mich natürlich, dass unsere Arbeit beim Publikum Zuspruch findet. Das ist eine schöne Bestätigung unserer Arbeit.

Wie sehen die Schwerpunkte im neuen Angebot aus? Hat die Philharmonie ihr Profil geschärft?
Gehmacher: Ein ganz wichtiger Schwerpunkt sind die Konzerte des hauseigenen Orchestre Philharmonique du Luxembourg. Mit ihm können wir neue Akzente im Programm setzen. Neben den großen Orchestern und prominenten Solisten, die wir einladen, haben wir für die nächste Saison neue Formate entwickelt wie die Reihe "L'heure de pointe" mit kurzen einstündigen Konzerten um 19 Uhr oder das Festival "atlântico" mit Musik aus portugiesischsprachigen Ländern.

Ich habe allerdings den Eindruck, dass Mittelalter und Renaissance, Barockmusik oder auch Vorklassisches im Programm unterrepräsentiert sind. Zutreffend?
Gehmacher: Da haben Sie sicher Recht. Die Philharmonie ist eine recht junge Einrichtung und in Luxemburg gab es davor für ältere Musik keine große Tradition. Es ist hier schwerer ein Publikum für Renaissancemusik zu begeistern. Aber wir versuchen es - denken Sie an das Konzert kürzlich mit Philippe Herreweghe und di Lassos "Lagrime". Es war für mich eine Sternstunde.

Von ganz alt zu ganz neu: Wie sieht es mit der Zukunft der "rainy days" aus?
Gehmacher: Chefdramaturg und "rainy days"-Organisator Bernhard Günther verlässt uns zum Ende der Saison und wird Intendant von "Wien Modern". Das Festival im Dezember 2016 trägt jedoch noch seine Handschrift. Unter dem Titel "into the wild" präsentieren wir nicht nur prominente Vertreter der zeitgenössischen Musik, sondern arbeiten mit einer Vielzahl von Institutionen zusammen. Ab 2017 wird das Festival von seiner Nachfolgerin Lydia Rilling, einer talentierten Journalistin und Musikwissenschaftlerin, geleitet.

Die Leitung wechselt, aber die "rainy days" gehen weiter.
Gehmacher: So ist es. Wir sind gespannt, wie Lydia Rilling das Festival in den nächsten Jahren positioniert.

Wie ist das Verhältnis der Philharmonie zu anderen Veranstaltern in Luxemburg, zum Beispiel den Festspielen in Echternach? Kooperation? Konkurrenz? Lassen Sie vielleicht Freiräume für andere Veranstalter?

Gehmacher: Wir haben die Ambition, den ganzen Bereich der klassischen Musik abzudecken - das ist auch unsere Aufgabe. Was Programme und Künstler angeht, sollte sich niemand einschränken. Jeder Veranstalter sollte nachdenken: Was ist die eigene Identität? Was ist die eigene Mission? Wir sind dabei die ersten, die Partnern die Hand geben. So haben wir Anfang dieser Saison das Jubiläum des Echternacher Festivals mit einem Konzert unter Leitung von Daniel Barenboim in der Philharmonie gefeiert.

Gehen wir einmal über zu einer anderen, langfristigen Perspektive. Peter Gülke, der ja zweimal als Dirigent im Philharmonie-Programm auftauchte, aber dann absagen musste, Gülke also hat - ich zitiere aus dem Gedächtnis - vom "Höhepunkt einer zu Ende gehenden Musikkultur" gesprochen. Teilen Sie diese eher pessimistische Auffassung?

Gehmacher: Nein. Die Art, in der die klassische Musik von den Menschen wahrgenommen wird, wird sich ändern, so wie die Gesellschaft sich verändert. Wir werden als Veranstalter immer wieder gefordert sein: Wie präsentieren wir unsere Musik so, dass wir mit der gesellschaftlichen Veränderung Schritt halten und sogar die Initiative ergreifen können. Dann bleiben wir bei den Menschen im Fokus des Interesses. Die Rahmenbedingungen dafür sind sehr gut. Es spielen heute mehr Kinder als je zuvor ein Instrument. Es gehen mehr Menschen als je zuvor in klassische Konzerte.
Und Ihre persönliche Planung? Wie lange wollen Sie in der Philharmonie Generaldirektor bleiben?

Gehmacher: Ich bin sehr, sehr gerne hier. Wir sind ein wunderbares Team und haben ein wunderbares Publikum. Ich komme jeden Tag mit Freude hierher. Ich bin seit drei Jahren hier und mein aktueller Vertrag läuft bis 2018. Meine Ambition ist es, länger hier zu bleiben. Und für ein Haus wie die Philharmonie ist es gut, wenn die Leitung nicht zu oft wechselt. Aber spätestens nach zehn Jahren sollte es dann so weit sein.

philharmonie.lu