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Luxemburger Saiteneinsteiger

Luxemburger Saiteneinsteiger

Historische Cembali stehen nicht gerade im Mittelpunkt bei Bau und Verkauf von Tasteninstrumenten. Vor zwei Jahren hat der Luxemburger Frank Daro dennoch als Cembalobauer den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Seither gehört er zu den wenigen Spezialisten auf diesem Gebiet.

Luxemburg. "Schauen Sie", sagt Frank Daro und hebt ein unscheinbares Holzstäbchen hoch, "da unten am Springer hat sich Grünspan angesetzt." Und dann zeigt er auf die offenliegenden Saiten in einem Instrument, das entfernt dem Flügel ähnelt: "Hier standen Saiten unter Überspannung, und manche sind gerissen. Ich habe stärkere eingebaut."
Frank Daro ist Cembalobauer. Aber während beim deutschen Berufsbild "Klavier- und Cembalobauer" der Cembalobau in der Regel nur ein Randbereich ist, steht die Arbeit an den historischen Instrumenten bei Daro kompromisslos im Zentrum. Damit bewegt er sich allein auf weitem Feld. "In der Region bin ich der einzige freiberufliche Spezialist." Und man müsse schon mindestens 200 Kilometer fahren, um vergleichbare Werkstätten aufzuspüren.
Das Cembalo gilt als Vorläufer des Klaviers. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn trotz der optischen Ähnlichkeit entstehen auf dem Cembalo Töne grundlegend anders. Während beim Klavier der Klang durch Anschlag eines Hammers erzeugt wird, zupft beim Cembalo eine kleine Zunge im Holzstäbchen die Saite an und erzeugt einen hellen, noblen Ton - Springer heißt das Stäbchen und Kiel die Zunge. Von der Mitte des 16. Jahrhunderts an war dieses Instrument Mittelpunkt der Kammermusik, stand bei Aufführungen mit Chor oder Orchester gleichberechtigt neben der Orgel und wurde selbstverständlich auch solistisch gespielt. Bis es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dem Klavier weichen musste.
Frank Daro ist ein Seiteneinsteiger, "atypisch für den Cembalobau". Der gelernte Bauingenieur entdeckte in seiner Freizeit Cembalo und Cembalomusik. "Da ist mir eine Welt aufgegangen." Daro machte aus seiner Passion einen Beruf. Er lernte in der Werkstatt des angesehenen norddeutschen Cembalobauers Matthias Kramer und machte sich Mitte 2012 in Luxemburg selbstständig. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt derzeit auf Reparatur und Erneuerung, nicht auf Neubau. "Dabei kann ich alles, was ich beherrsche, einbringen" - das Kalkül des Ingenieurs, die Geschicklichkeit des Handwerkers und die Musikalität des Cembalisten.
Was fasziniert Daro an diesen Instrumenten, die oft nach historischen Vorbildern gebaut sind? "Es ist die Individualität, der Charakter, die Persönlichkeit." Anders als die industriell gefertigten Flügel und Klaviere ist ein gutes Cembalo fast immer ein Unikat - einzigartig im Klang und oft auch in der äußeren Erscheinung, eine stolze, bisweilen launische Diva.
Einfach sind die Erneuerungsarbeiten nicht. Verschleißteile sind zu ersetzen, die Besaitung ist zu kontrollieren, die Kiele müssen ausgerichtet oder ersetzt, die Springer überprüft werden. Und vor allen Dingen muss der Charakter des Instruments erhalten bleiben. Da sind Aufmerksamkeit, Sensibilität und Einfühlungsvermögen gefragt, nicht nur manuelles Können und handwerkliche Routine. Das ist wohl die größte Herausforderung an den Cembalobauer: auf das Instrument zu hören und sein Klangnaturell zu entdecken.
Als wolle er all das nochmals mit Musik demonstrieren, setzt sich Daro an sein Lieblingscembalo, gebaut von Matthias Kramer, und spielt eine Allemande von Johann Sebastian Bach. Und unter den silberhellen Klängen des Instruments und bei Bachs wunderbarer Musik rückt die moderne Gesellschaft mit ihren Normen und Schablonen weit weg. Eine ganz andere, ganz neue Stimmung verbreitet sich - gedankenreich, eigenständig und von faszinierender Noblesse, ein kostbarer Mi-krokosmos der Klänge.
Kontakt zu Frank Daro: 6, rue aristide Briand, L-1263 Luxembourg; frank.daro@tango.lu