Mach' Feuer, Harald!

Mach' Feuer, Harald!

Ein wenig holprig war die Überleitung von den Tagesthemen zu Harald Schmidt schon. Dem Trend folgend, in die anschließende Sendung hineinzuschalten, um die Zuschauer zu halten, musste sich der alt gediente Nachrichten-Redakteur Ulrich Wickert gegen Ende der Tagesthemen umdrehen und mit einem am Nachmittag aufgezeichneten Leinwand-Harald-Schmidt sprechen.

Lange Pausen zwischen Frage und Antwort verrieten dies, weshalb der zu schnell fragende Wickert wohl froh war, als die peinliche Situation endete. Schade nur, dass es genau so peinlich weiter ging. Rund zwei Millionen Fans hatten diesem Termin entgegen gefiebert. Der Tag, an dem der Entertainer-Gott der Nation zurückkommt. Der enttäuschte jedoch auf ganzer Linie. Eine intelligent-satirische Show zu machen bedeutet nicht, die Ergebnisse der Redaktionskonferenz der Tagesthemen auf Kantinen-Niveau nachzuplappern. Denn viel Neues gab es in Schmidts Revue des Weltgeschehens nicht. Klar, dass US-Präsident Bush sein Fett weg bekam. Schmidts Erläuterung US-amerikanischer Außenpolitik mit eingespielter Weltkarte und den Vorposten der Tyrannei war recht amüsant. Die Gründung einer "Aktion Bürger helfen der CIA", um den bevorstehenden Deutschland-Besuch Bushs sicherheitsmäßig zu flankieren, war auch, zugegebenermaßen, lustig. Aber der folgende Slapstick zum Thema Dioxin-Ei, in dem Schmidt einen Hühnerkäfig auf den Kopf zog und sein Adjutant Manuel Andrack durchs Studio laufen und gackern durfte, war an Albernheit kaum zu überbieten. Da ist jede Kindergarten-Belustigung anspruchsvoller. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ging ein Stich durchs Herz, und Erinnerungen an Suzanna Novinsczak aus der alten Harald-Schmidt-Show kamen auf. Ihr Charme und ihr Witz hätten die Show bestimmt erträglicher gemacht. Aber sie weiß wohl, warum sie nicht mehr dabei ist. Auch Schmidts Aktion "Ja zum Airbus", mit der er die Bundesbürger dazu aufrief, Airbusse zu kaufen, um die europäische Wirtschaft zu stärken, konnte die ständig an Fahrt verlierende Show nicht mehr retten. Schmidts halbstündiges Format hatte massive Startschwierigkeiten. In seinem Fall zählt kein Anke-Engelke-Bonus. Schmidt ist Profi und hat Erfahrung. Er kann es besser und das weiß er ganz genau, auch wenn es - bedauerlicherweise - derzeit keine Götter neben ihm gibt. Und das bei einer Gage von angeblich neun Millionen Euro. Für soviel Kohle hat der Zuschauer ein Recht auf ein loderndes Feuer und nicht auf eine verglimmende Glut.