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Mädchen pupsen nicht: Carolin Kebekus tritt in der ausverkauften Arena Trier vor 4200 Menschen auf

Mädchen pupsen nicht: Carolin Kebekus tritt in der ausverkauften Arena Trier vor 4200 Menschen auf

Es gibt Kabarettisten, Comedians, Humoristen, Satiriker - und Carolin Kebekus. Mit ihrer eigenen Art, für Feminismus zu werben, steht sie ziemlich allein auf den Stand-up-Bühnen der Nation. Im Gegensatz zu ihrem Publikum: 4200 Menschen hängen in der ausverkauften Arena in Trier an ihren Lippen.

Trier. Auf den Wegen von den Parkplätzen zur Arena Trier stöckeln an diesem Abend viele gutaussehende Frauen zum seit Wochen ausverkauften Auftritt von Carolin Kebekus. "Pussy Terror - jetzt erst recht" heißt das Programm, mit dem die 1,64 Meter große Kölnerin 4200 Menschen dazu bringt, am Ende stehend zu applaudieren.

Dass in der Comedy-Szene Frauen eher selten sind, ist ein altbekanntes Phänomen. Ihnen fehlt oft der Mut zur Hässlichkeit, zu bildhaften Schilderungen unappetitlicher Themen und das Selbstbewusstsein, nicht jedermanns Liebling sein zu wollen. Carolin Kebekus hingegen hat diese Eigenschaften. Dazu verfügt sie über eine enorme Bühnenpräsenz, ist schauspielerisch stark - und sieht gut aus. Lautstark posaunt sie heraus, was Frauen nie zugeben dürfen und Männer von Frauen niemals hören wollen: "Ich bin so gerne betrunken!" Oder: "Ich furze!"

Dass Mädchen nicht pupsen dürfen - oder wenn, dann nur mit Blumenduft -, sei auch heute noch verbreitet, so Kebekus. Die Schilderungen ihrer eigenen Flatulenzen löst bei den meisten Zuschauern Lachanfälle ungeahnten Maßes aus. Einige scheinen verschämt oder peinlich berührt, und Kebekus fragt: "Ist es jetzt schon zu eklig?"

Ihre Art der Gleichberechtigung bringt sie im schwarzen Minirock und High-Heels rüber. "Feminismus klingt so unrasiert und ungebumst", findet sie und erntet Applaus. Kebekus gehört zu der Sorte Frau, die auf Partys mit den Jungs in der Küche Zoten reißt, während die Mädels im Wohnzimmer über Schuhe und Make-up reden. Dass das bei einem sehr breiten Publikum so gut funktioniert, zeigt vielleicht, dass sich Frauen generell mehr trauen sollten.Feminismus und Kotzgeschichten

Foto: Karin Pütz (kap) ("TV-Upload P?tz"
Foto: Karin Pütz (kap) ("TV-Upload P?tz"


In den Teilen des Programms, in denen Kebekus ihre Geschlechtsgenossinnen genau dazu ermutigt, steigt auch das Niveau. Doch Kebekus' Botschaft funktioniert oft nur in Verbindung mit Schilderungen unappetitlicher Partyerlebnisse. Wenn sie davon spricht, dass Frauen in Deutschland trotz gleicher Qualifikation 22 Prozent weniger Gehalt als Männer bekommen ("In Rumänien werden Frauen gerechter bezahlt als bei uns!"), hat es den Anschein, als würde das Publikum lieber wieder Kotzgeschichten hören.

Trotzdem bringt sie ihre Botschaft an den Mann: "Frauen stapeln tief, wollen nicht anecken und bloß keine Zicken sein. Sie können keine Komplimente annehmen, weil niemand sie für arrogant halten soll." Doch allzu lange bleibt es nicht bei "komplizierten" Zusammenhängen.

Fazit: Die Männer und vor allem die Frauen in der Arena dürfen einfach mal einen Abend über spätpubertären Humor und zotige Gags lachen, bevor sie am Montag wieder beherrscht und rollengerecht zur Arbeit stöckeln.