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Theater Trier
Premiere von „Zauberer von Oz“: Und Sorgen werden Himbeereis

Bunte Kostüme und Bühnenbilder im „Zauberer von OZ“: Die Inszenierung im Theater Trier hat bei der Premiere überzeugt.
Bunte Kostüme und Bühnenbilder im „Zauberer von OZ“: Die Inszenierung im Theater Trier hat bei der Premiere überzeugt. FOTO: TV / Marco Piecuch
Trier. „Der Zauberer von Oz“: Das neue Kindermärchen des Theaters begeistert Jung (und Alt). Von Katharina de Mos

„Passt auf! Die Hexe!“, brüllen die 600 Kinder, springen von den Sitzen und zeigen aufgeregt in Richtung Türe, wo eine schwarze Gestalt mit spitzem Hut und grünem Gesicht lauert. Ohrenbetäubend ist der Lärm, den sie aus Sorge um jene vier Helden machen, die sich in Blitzschnelle in ihre Herzen gespielt haben.

Keine drei Sekunden dauert es, bis das Weihnachtsstück des Trierer Theaters seine kleinen (und zugegeben: auch die großen) Zuschauer bei der ausverkauften Premiere am Mittwochmorgen fesselt. Von wegen Aufmerksamkeitsdefizit! Von Anfang bis Ende sind die Kinder konzentriert. Sie kichern, klammern sich vor Spannung an den Sitzlehnen fest, lachen lauthals, beißen aufgeregt auf ihre Zeigefinger, lauschen ergriffen den Gesängen und geben überhaupt alles, um ihren neuen Helden zu helfen ...

Es ist ein Klassiker: „Der Zauberer von Oz“. Mag der Kinderbuchstoff von Lyman Frank Baum auch 118 Jahre alt sein, in der Inszenierung von Kim Langner und Axel Weidemann kommt er so frisch, lustig und bunt daher, dass das Herz lacht. Im berühmten Film „The Wizard of Oz“ von 1939 flüchtet Dorothy (Judy Garland) aus der Tristesse des von der US-Wirtschaftskrise geprägten Kansas der 30er Jahre in eine bunte Traumwelt. Aktualitätsbezug oder gar Gesellschaftskritik sucht man in dem Trierer Kinderstück vergeblich. Doch gibt es wohl auch heute noch keine bessere Möglichkeit, dem Alltag für 70 pausenfreie Minuten zu entfliehen.

Die Geschichte bleibt weitgehend unverändert: Dorothy, bezaubernd mädchenhaft und abenteuerlustig gespielt von Anna Pircher, wohnt bei Tante und Onkel und macht sich größte Sorgen um ihren Hund Toto – übrigens ein echter Hund („Ooooohh wie süß!“). Dorothy sorgt sich, denn die fiese Frau Fies (schön spießig-spröde dargestellt von Barbara Ullmann) will ihn ins Tierheim bringen. „Das Monster hat in meine Geranien gekackt“, sagt sie, und die Kinder johlen. Doch ehe Dorothy etwas tun kann, zieht ein Wirbelsturm auf und trägt sie samt Haus in das bunte Land Oz. Das Haus landet zufällig genau auf einer bösen Hexe, wodurch sie das Volk der Munch­kins befreit – drollige Wesen, die dank der fantasievoll-bunten Kostüme von Monika Seidl aussehen wie blühende Weihnachtsbäume, die eine komische Sprache sprechen und die Kinder zum Lachen bringen, wenn sie einander mit Gesten und Cartoon-Geräuschen erklären, wie die böse Hexe unters Haus kam: tsüüü, puf, platt.

Mit dem Kuss der märchenhaft guten Hexe des Nordens (schwungvoll-frisch gespielt von Luiza Braz Batista) macht Dorothy sich auf den Weg zum Zauberer von Oz, weil nur er ihr helfen kann, den Weg zurück in ihre Heimat zu finden. Unterwegs lernt sie drei neue Freunde kennen, mit denen sie Abenteuer besteht. Erstens: die Vogelscheuche, die so gerne mehr Verstand besäße. Hinreißend komisch dargestellt von Gideon Rapp, der den schlappen Strohmann ungelenk schwanken und stolpern lässt, was nicht verhindert, dass die Kinder ziemlich schnell herausfinden, wie schlau der Kerl längst ist. Zweitens: der Blechmann (Paul Behrens), der so gerne ein Herz hätte und die Herzen des Publikums mit seinem gefühlvollen Spiel schnell erobert. Drittens: der Löwe (Benjamin Schardt), der sich nach mehr Mut sehnt. Zum Knuddeln, wie er sich vor Mäusen fürchtet oder aus Versehen selbst am Schwanz zieht. Doch was wäre ein Abenteuer ohne Widersacher, und damit kommen wir zum (un)heimlichen Star des Stücks, der bösen Hexe des Westens. Barbara Ullmann glänzt in dieser Rolle (übrigens die erste, in der sie fliegen darf) genussvoll mit einem so saftig bösen Hexenlachen und -spiel, dass viele Kinder später sie – die Böse – zur Lieblingsfigur erklären. Wie alle anderen bewältigt auch Klaus-Michael Nix meisterhaft wandlungsfähig mehrere Rollen: den Onkel, den Portier und den Zauberer von Oz, der sich als Scharlatan entpuppt – und den vier Freunden doch so viel geben kann ...

Es ist ein Schauspiel mit reichlich Musik, natürlich auch dem „Regenbogenlied“ zur bekannten Melodie von „Somewhere over the rainbow“. Ein Song über einen zauberhaften Ort, wo Sorgen zu Himbeereis werden. Immer wenn das märchenhafte Bühnenbild (Dietmar Tessmann) mit seinen Häuschen, stilisierten Wäldern oder rosa Hügeln sich wandelt, wandert Dorothy mit ihren Freunden durch den Publikumssaal weiter Richtung Oz und lenkt so geschickt von den Umbauten ab.

Es ist ein extrem kurzweiliges Stück für Kinder ab fünf voll slapstickhaftem Humor, den selbst die Kleinsten verstehen, und ihr Lachen steckt die Großen unweigerlich an. Ein Stück, das die Kinder einbezieht. „Wollt ihr Dorothy helfen?“, fragt der Strohmann – „dann pustet!“. „Jaaaaaa“, brüllen sie und pusten, bis ein sanfter Wind von den Rängen Richtung Bühne fällt. 1200 Hände winken den Schauspielern zum Abschied zu. „Zugabe“ fordern die Kleinen und wollen sich gar nicht trennen von Dorothy, dem Löwen, dem Blechmann – und der Hexe.

Die Schulaufführungen sind alle ausgebucht. Weitere Termine sind für Februar geplant und können an der Theaterkasse gebucht werden unter theaterkasse@trier.de und unter 0651/7181818.

Im freien Verkauf sind Karten zu haben für: Samstag, 10. und 17. November, je 16 Uhr, Sonntag, 18. November, 11 Uhr, Sonntag, 2. Dezember, 16 Uhr, Samstag, 8. Dezember, 16 Uhr, Sonntag, 9. Dezember, 16 Uhr, Sonntag, 16. Dezember, 11 Uhr und 16 Uhr, Mittwoch, 26. Dezember, 16 Uhr. Kinder zahlen 8,50 Euro.

Zauberer von OZ Foto: Marco Piecuch
Zauberer von OZ Foto: Marco Piecuch FOTO: TV / Marco Piecuch
Zauberer von OZ Foto: Marco Piecuch
Zauberer von OZ Foto: Marco Piecuch FOTO: TV / Marco Piecuch