Maestro Muti und sein neues Orchester

Maestro Muti und sein neues Orchester

Die Luxemburger Philharmonie ist immer wieder für Überraschungen gut. Zum Beispiel mit einem Kracher zum vorgezogenen Saisonstart 2011/12. Am 30. und 31. August stellt Weltstar Riccardo Muti sein neues "Hausorchester" vor: die Sinfoniker aus Chicago.

Luxemburg. Seit einem Jahr ist der Maestro aus Italien Direktor des amerikanischen Spitzenorchesters, dem einst Dirigenten wie Daniel Barenboim, Georg Solti oder Rafael Kubelik vorstanden. Die Chicago Symphonics gehören zu den "Big Five", also zum Quintett der besten Orchester der Vereinigten Staaten.
Nun geht die Edeltruppe mit ihrem neuen Chef erstmals auf große Europa-Tour. Zwischen den Stationen Salzburg und Paris gehört die Luxemburger Philharmonie zu den wenigen Häusern, die sich gleich zwei Konzertprogramme mit Riccardo Muti sichern konnten. Zum Vergleich: In ganz Deutschland gibt es überhaupt nur ein Konzert, Anfang September in der Dresdener Semperoper.
Von Mythen umrankter Gigant


Muti, in diesen Tagen gerade 70 geworden, gehört längst zu den mythenumrankten Giganten am Dirigentenpult. Glaubt man den Erzählungen seiner Musiker, dann ist er so genial wie seine Interpretationen, so explosiv wie seine Tempi - und so eitel wie seine stets glänzende Gel-Frisur.
Für seine Fans ist er seit langem in den Olymp der Karajans und Toscaninis aufgestiegen, seine Gegner reiben sich immer wieder an seinem musikalischen Drang zum Konservativismus. Kalt lässt er jedenfalls niemanden. Seine wuchtigen, temperamentvollen Interpretationen reißen mit.
Aber der unerbittliche Perfektionist geht auch keinem Streit aus dem Weg: 2005 schmiss er nach knapp zwei Jahrzehnten seinen Job als musikalischer Direktor der Mailänder Scala hin, nachdem sein Wunschkandidat für die Intendanz durchgefallen war und die Mitarbeiter dann auch noch gegen ihn votierten - mit 700 zu 5 Stimmen.
Nach Luxemburg kommt der Maestro mit zwei komplett unterschiedlichen Programmen. Am 30. August stehen Hindemiths "Sinfonie in Es" und Prokofievs "Romeo und Julia"-Suiten auf der Agenda. Am 31. August kombiniert er Strauss\' "Tod und Verklärung" mit Schostakowitschs Fünfter Sinfonie und einem Stück des zeitgenössischen englischen Komponisten Bernard Rands.
Zuletzt hatten Muti-Fans sich Sorgen gemacht, weil der Dirigent im Februar bei Proben für die Tournee zusammengebrochen war und einige Konzerte abgesagt werden mussten. Seither dirigiert Riccardo Muti mit Herzschrittmacher - was der Präzision seines Taktschlags sicher keinen Abbruch tun wird.
Noch wenige Karten zu haben


Normalerweise sind die Karten für derart begehrte Konzerte in Luxemburg den Abonnenten vorbehalten, aber dadurch, dass diesmal gleich zwei Auftritte anberaumt wurden, gibt es noch Restkarten für beide Abende - voraussichtlich aber nicht mehr sehr lange.
Tickets in den TV-ServiceCentern Trier, Wittlich, Bitburg oder unter Hotline 0651/7199-996. Infos: www.philharmonie.lu. Die größten Dirigenten der Welt geben sich in dieser Saison in Luxemburg den Stab in die Hand. Zubin Mehta, Dauergast beim Wiener Neujahrskonzert und Dirigent der "Drei Tenöre", kommt am 17. September mit den Israel Philharmonics. Franz Welser-Möst, Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, steht am 27. Oktober mit seinem Cleveland Orchestra auf der Agenda. Valery Gergiev, russischer Star-Dirigent an allen großen Häusern der Welt, stellt sich mit den Londoner Sinfonikern am 21. November vor. Andris Nelsons, 2010 Senkrechtstarter in Bayreuth, präsentiert das Birmingham Symphony Orchestra am 13. März. Christian Thielemann, prägende Figur der deutschen Dirigentenzunft und starker Mann auf dem Grünen Hügel, gibt am 24. April mit den Wiener Philharmonikern seine Visitenkarte ab. Weitere Dirigier-Granden in Luxemburg: Alan Gilbert, Esa-Pekka Salonen, Riccardo Chailly, Daniel Harding. DiL