| 20:37 Uhr

Magische Momente, kraftvolle Musik

Sensibler Künstler: Jan Garbarek im Trierer Dom. Foto: Mosel Musikfestival/Artur Feller
Sensibler Künstler: Jan Garbarek im Trierer Dom. Foto: Mosel Musikfestival/Artur Feller
Trier. Ein spirituelles Klangerlebnis haben das britische Männer-Vokal-Quartett Hillard Ensemble und der norwegische Saxofonist Jan Garbarek 1100 Zuhörern im Trie-rer Dom bereitet. Das Nachtkonzert im Rahmen des Mosel Musikfestivals war nicht nur musikalisch ein besonderes.

Trier. Es ist ein Eintauchen in eine entrückte Welt: Von der stickigen Schwüle einer sommerlich aufgeheizten und selbst um 22 Uhr immer noch geschäftig summenden Stadt hinein in die stille Kühle der Hohen Domkirche. Nur von Kerzen beleuchtet verströmt der erhabene Raum eine mystische Atmosphäre.
Und plötzlich wird sie hörbar. Ätherische Töne schweben von irgendwoher durchs Gewölbe, schwingen von den Wänden zurück, umfangen die Sinne. Jan Garbarek hat sich mit seinem Saxofon auf Wanderschaft durchs Kirchenschiff begeben, lotet den Klang im Raum aus. Bald ist ein feiner Widerhall auf seine sanften Melodiesequenzen zu hören, ein hymnisches Echo, das ebenfalls aus einer anderen als der weltlichen Sphäre zu kommen scheint. Es sind die Tenor-, Bariton- und Countertenorstimmen der vier Sänger des Hillard Ensembles.
Zunächst im Raum verteilt gruppieren sie sich später auf der Bühne und stimmen dort geistliche Gesänge an. Sie klingen leise, feierlich und in wohlgesetzter Harmonie. Jan Garbarek improvisiert dazu, mal begleitend, mal in Pausen.
Er greift sensibel Gesangselemente auf, führt sie fort oder setzt melodische und rhythmische Kontrapunkte, wobei er stets seine räumliche Position wechselt. Es ist, als wohne man einer Liturgie bei, eine ruhige klare Kraft geht von dieser Musik aus. Was da genau gesungen und zelebriert wird, bleibt zwar verborgen, ist aber auch unerheblich. Alles was zählt, ist die magische Spiritualität, die aus dem Zusammenwirken von Stimmen, Instrument und sakralem Raum entsteht.
Andächtige Stimmung


In sie versinken die 1100 Zuhörer so, dass man an besonders leisen Stellen eine Stecknadel fallen hören könnte. Zur andächtigen Stimmung trägt auch das Bewusstsein bei, hier einem Abschied beizuwohnen. Vierzig Jahre nach seiner Gründung und 20 Jahre nach dem überaus erfolgreichen Album "Officium" löst sich das Hillard Ensemble in diesem Jahr auf. Für seine Europa-Abschiedstournee hat es sich nur wenige Städte und Sakralbauten ausgewählt. Auf Platz zwei seiner Favoritenliste stand Trier, weil hier das gemeinsame Projekt mit dem Jazzer mehrfach enthusiastisch vom Publikum aufgenommen worden war. Premiere im Rahmen des Mosel Musikfestivals war 1997 in der Basilika. Die Aufführung im Trierer Dom endete mit stehenden Ovationen. ae