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Mainz wartet auf Signal aus Trier

Mainz wartet auf Signal aus Trier

Der antike Sommer 2008 in Trier kann kommen. Theater, Konzerte, Spektakel, Ausstellungen: Die neue "Generaldirektion Kulturelles Erbe" (GDKE) präsentiert ein mächtiges Programm. Aber sie erwartet von der Stadt Trier auch eine klare Ansage, wie es in den antiken Stätten weitergehen soll.

Trier. Mit einem echten Groß-Aufgebot kam Staatssekretär Joachim Hofmann-Göttig nach Trier, um nicht nur das aktuelle Programm, sondern auch eine komplett runderneuerte Mannschaft für die historischen Stätten im Lande vorzustellen.

Um Generaldirektor Thomas Metz herum sind fast alle Stellen neu besetzt worden. Der seit heute amtierende Chef des Trierer Landesmuseums, Ex-Konstantin-Macher Eckart Köhne, bekam coram publico seine Ernennungsurkunde überreicht, die neue Direktorin von "Burgen, Schlösser, Alterümer", Angela Kaiser-Lahme, gab ebenso ihre Visitenkarte ab wie die neuen Stabsstellen-Leiter für Marketing und Bau.

Aufbruchstimmung nach langen Kontroversen

Aufbruchstimmung war spürbar nach den langen politischen Kontroversen um den Neuzuschnitt von Denkmalpflege und Museumslandschaft in Rheinland-Pfalz, die der Staatssekretär freundlich mit "die eine oder andere Irritation" umschrieb. Der Konflikt zwischen "Traditionalisten" und "Neuerern" ist zugunsten jener Fraktion entschieden, die die historischen Kulturstätten stärker für die öffentliche Nutzung öffnen will. Nun erwartet Hofmann-Göttig von seinem frischen Team denn auch "kreative Gedanken um den effizienten Umgang mit unserem kulturellen Erbe".

Aber kreative Gedanken sollen nicht nur von der Landesebene kommen. Höflich im Ton ("wir haben ein gutkameradschaftliches Verhältnis"), aber klar in der Sache übte Hofmann-Göttig Kritik am zögerlichen Vorgehen der Stadt in Sachen Amphitheater und Festspiel-Konzept. Angesichts der mangelnden Infrastruktur und der Probleme mit dem Lärmschutz im reinen Wohngebiet (der TV berichtete) sei "klar, dass man darüber reden muss". Aber das Land könne Entscheidungen über mögliche Investitionen im Amphitheater oder an den Kaiserthermen "erst treffen, wenn ein Konzept der Stadt für die Veranstaltungen vorliegt". Schon im letzten Jahr habe er "die Stadt gebeten, die Diskussion voranzutreiben". Er habe aber den Eindruck, dass "die Situation noch genau die gleiche ist wie damals".

Wie groß der Handlungsbedarf ist, ließen die Stellungnahmen der Kulturmacher deutlich werden, die ihre geplanten Projekte für 2008 vorstellten (siehe auch Lokalteil). Für die Antikenfestspiele erklärte Chefdramaturg Peter Oppermann explizit, dass das künstlerische Konzept "die Kulisse des Amphitheaters als langfristige Konstante voraussetzt" und zwar ausdrücklich "mit der Tribüne auf den Rängen".

Rock-Promotor Ingo Popp will seine in diesem Sommer geplanten drei Konzerte ebenfalls im Amphitheater veranstalten - nach vielen finanziellen Flops hat er von den Kaiserthermen erstmal die Nase voll. "Brot und Spiele" kündigt ein neues Spektakel für das Amphitheater an, das Mosel-Musikfestival steht gleichfalls Gewehr bei Fuß.

Alle wollen in die römische Arena, trotz der wackligen Genehmigungslage. Das liegt auch daran, dass in den Kaiserthermen nur eingeschränkte Platz-Kapazitäten zur Verfügung stehen. Überlegungen bei "Burgen, Schlösser, Altertümer", dort eine Tribüne mit größerem Fassungsvermögen auf der Palaestra zu erreichten, sind bislang von der Stadt nie ernsthaft geprüft worden. Kulturdezernent Ulrich Holkenbrink war bei Hofmann-Göttigs Pressekonferenz zwar als Veranstaltungs-Partner anwesend, schwieg aber zum Thema Amphitheater und Antiken-Konzept.

Die SPD will das Nachdenken bei der Stadt derweil beschleunigen. Man müsse "aufpassen, dass uns die Sache nicht wegläuft", sagt Chef-Kulturpolitiker Peter Spang.