„A Sea Symphony“: Majestätische Musik zum Semesterende

„A Sea Symphony“ : Majestätische Musik zum Semesterende

Auch beim Abschlusskonzert 2019 wagen sich Chor- und Orchesterensemble Collegium Musicum der Universität Trier an ein großes sinfonisches Werk.

Als Michael Jäckel, Präsident der Universität, zu seinem Grußwort anhebt, herrscht erwartungsvolle Stille unter den weit über 500 Zuschauern im weiten Oval der ehemaligen Reichsabtei St. Maximin im Trierer Norden. Hoch sind die Erwartungen der Musikliebhaber und des Hochschulpräsidenten an den jungen musikalischen Leiter des Collegium Musicum, der weltweit Meriten sammelt und dessen Karriere steil bergan geht. Dankenswerterweise bleibt der Argentinier Mariano Chiacchiarini aber der Trierer Uni weiterhin erhalten, seit 2011 lenkt er Chor und Orchester aus Studierenden, Mitarbeitern der Universität und anderen Musikbegeisterten. Zusätzlich verstärkte sich der Chor mit einigen Profis aus dem Opernchor des Theaters.

Professionell ist auch das, was das Ensemble abliefert; schon lange musizieren die jungen Leute auf einem ganz hohen Niveau. Nach Dvorák, Tschaikowsky, Bruckner, Verdi und Orff ist diesmal die Moderne an der Reihe: Zur Aufführung kommt Ralph Vaughan Willliams (1872-1958) „A Sea Symphony“ von 1909.

Eigentlich eine Kantate, aber in sinfonischer Form mit vier Sätzen, inklusive einem klassischen Scherzo. Gut 70 Minuten höchster und ununterbrochener Konzentration sind gefordert, die Musiker (und überwiegend auch das Publikum) meistern das ohne Fehl und Tadel.

Williams’ Sinfonie fußt auf Inspirationen und Texten des großen amerikanischen Dichters und Philosophen Walt Whitman (1819-1892), dem sich der Engländer zeitlebens verbunden fühlte. Beide waren überzeugte Humanisten, deshalb ist die „Sea Symphony“ – die vom Text und von der Klangstruktur her gesehen eine Seereise beschreibt – durchaus als Metapher für die Lebensreise des Menschen und deren Sinnfrage zu verstehen und feiert mit aller Majestät die Herausforderungen des Seins.

Majestätisch gleich der erste Satz, ein Sausen und Brausen tut sich auf, ausdrucksstark im Piano, die Damenstimmen in den ganz hohen Lagen vielleicht etwas zu forciert. Nachts allein am Strand heißt der zweite Satz im Largo, jetzt finden sich Chor und Orchester, Mariano Chiacchiarini dirigiert mit weit ausladenden Gesten, hält das Schiff auf Kurs und die Mannschaft zusammen. Das Scherzo wird vom sehr präsenten und ausdruckstarken Bariton-Solisten (hervorragend: David Pike) gelesen, die Musik steht dann – mit Pomp und Circumstance in bester Edgar-Elgar-Tradition – für sich. Großartig!

Der finale, vierte Satz bietet einige zauberhafte Puccini-Momente, das Ensemble und die Solisten (neben Pike noch die junge Sopranistin Karola Pavone mit enormem Stimmumfang und Ausdruckskraft) dürfen glänzen und strahlen. Im allerzartesten Pianissimo haucht das Werk aus, und großer, stehender Applaus belohnt verdienterweise die jungen Künstler.

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