Mal gehaltvoll, mal verspielt: Start der "rainy days"

Mal gehaltvoll, mal verspielt: Start der "rainy days"

Für Trierer, die den Start der diesjährigen "rainy days" erleben wollten, entwickelte sich die Anfahrt zu einem kleinen Abenteuer. Aber wer im Bahnhofsviertel von Luxemburg mit seiner Parkplatznot und seinen erotischen Zumutungen das "Studio Lucilin" gefunden hat, für den tut sich eine andere Welt auf.

Luxemburg. Es war das oft vertrackte, aber immer spannende Verhältnis von Musik und Zeit, das die "United Instruments of Lucilin" vor rund 50 Besuchern zum Beginn der diesjährigen "rainy days" thematisierten - zwischen Musik, die klingt wie ein gedankenreicher Augenblick, und solcher, die Zeit in Anspruch nimmt und sich in dieser Zeit entwickelt.
Und wie oft bei Neuer Musik stehen Hintergründiges und Spielerisch-Triviales unvermittelt nebeneinander. So wurde Brian Ferneyhoghs "Time and Motion Study II" zwar zum Glanzstück für den ausführenden Cellisten Pierre Strauch, überschritt indes aber zu häufig die Linie, an der Virtuosität in Pseudoaktivität übergeht. Und Christoph Herndlers Auftragskompositionen "2 Minuten" und "6 Minuten" entgehen nicht immer der Gefahr wohlklingender Belanglosigkeit.
Aber dagegen Bernd Alois Zimmermanns nachgerade klassische Studien für Violoncello solo, in denen sich so eindringlich die Formel des Komponisten von der "Kugelgestalt der Zeit" manifestiert! Diese Musik kreist in sich und blickt gleichsam nach innen. Die innere, die musikalische Zeit steht still. Und zu Beginn François Narbonis "L\'Allante heure" - da entwickelt Klarinettist Marcel Lallemang über dem Klang von vier Streichern melancholische Melodie-Fragmente.
Die bleiben im engen Rahmen von Tonalität und klassischer Periodenstruktur. Und doch musizieren sich Solist und Begleiter immer tiefer hinein in eine Stimmung, die tiefste Ruhe und hellste Präsenz faszinierend verbindet. mö