| 20:40 Uhr

Man hört, wenn eine Frau schweigt

Senta Berger ausdrucksstark in Bernkastel-Kues. Mit im Bild: Akkordeonistin Maria Reiter und Pianist Rudi Spring vom Trio Cosi fan Tango.TV-Foto: Christina Bents
Senta Berger ausdrucksstark in Bernkastel-Kues. Mit im Bild: Akkordeonistin Maria Reiter und Pianist Rudi Spring vom Trio Cosi fan Tango.TV-Foto: Christina Bents FOTO: Christina Bents (chb) ("TV-Upload Bents"
Bernkastel-Kues. Die österreichische Schauspielerin Senta Berger ist in Filmen und Theatern seit Jahrzehnten erfolgreich. Sie nutzt ihre Popularität, um ihrem Publikum Literaturprogramm vorzustellen. In der Bernkastel-Kueser Mosellandhalle rezitiert sie Texte von Alfred Polgar. Musikalisch begleitet wird sie vom Trio Cosi fan Tango.

Bernkastel-Kues. "Sie und Er", so heißt das Programm, das Senta Berger präsentiert. Dabei werden alle Facetten der menschlichen Beziehungen beschrieben, beispielsweise die Eifersucht, das Verhalten nach der Hochzeit, das Schweigen in einer langjährigen Beziehung oder die Untreue.
In einer Szene macht sich ein Mann darüber Gedanken, was seine Frau mit dem "Unterhalt dich gut" vor dem Gang in die Kneipe gemeint hat. Er sinniert und sinniert und kommt dabei zu dem Schluss, dass sie nur gemeint haben kann: "Enthülle dich in deiner Schlechtigkeit und lass' sehen, wie weit du in deiner Dreckigkeit gehen wirst."
Mosel Musikfestival


Der österreichische Journalist Alfred Polgar, der an diesem Abend mit seinen Texten vorgestellt wird, ist ein sehr genauer Beobachter und feinsinniger Schreiber, der durch kleine Nuancen viele Themen so zuspitzen kann, dass sich ein jeder darin wiederfindet.
Dazu liest Senta Berger die Texte charmant mit wienerischem Akzent, weiß natürlich, wo sie die Stimme anheben muss, wo das Lesetempo erhöhen, um dann sanft und ein wenig süffisant die Pointe punktgenau zu treffen. Musikalisch begleitet sie das Trio Cosi fan Tango in ihren Sprechpausen, das von Franz Schubert über ein jiddisches Volkslied, John Lennon, Jean Sibelius bis zum verlogenen Heurigen einen breiten Bogen spannt. Dabei spielt Norbert Nagel an Tenor- und Sopransaxofon, Bassklarinette und Klarinette, Maria Reiter am Akkordeon und Rudi Spring am Klavier.
Im Stück Abschied vom Freunde von Jean Sibelius ist die Stimmung sanft und harmonisch, dann wird es dynamischer, indem das Klavier das Sopransaxofon unterstützt und das Akkordeon antreibt. In "Motive", der Bearbeitung eines jiddischen Volkslieds steht die Bassklarinette im Vordergrund.
Das Akkordeon wird von Marie Reiter zart gespielt, so dass ihre Töne klingen wie ein Hauch, der die Bassklarinettentöne verlängert. Rudi Spang ergänzt mit seinem sensiblen Spiel die Szene. Senta Berger liest nicht nur von Polgar, sondern erzählt auch von ihm. Beispielsweise, dass er Theaterkritiker war, und über einen Schauspieler, der am Burgtheater spielte, aber nicht die dort eigene Sprache annehmen wollte, sagte: "Wo er hintritt, wächst Gras."
Besonders viele Lacher und Applaus gibt es für seine Weisheiten: "Das man hört, wenn eine Frau schweigt`" oder "Vor der Hochzeit war er ein ganzer Kerl, danach ein halbes Paar."
Alfred Polgar hat seine Heimatstadt Wien oft kritisch gesehen. Er mochte die Selbstliebe der Wiener nicht, die in den vielen Liedern über die Stadt zum Ausdruck kommt.
Senta Berger gibt nach der Lesung Autogramme und lässt sich mit den Besuchern fotografieren. Eine Frau reiste sogar aus dem 500 Kilometer entfernten Chemnitz an - eine weiter Weg, der Berger beeindruckte. chb