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Manchmal muss es etwas deftiger sein

Manchmal muss es etwas deftiger sein

"Besser ... ist besser", so heißt das aktuelle Bühnenprogramm von Ingo Appelt. Dabei wäre ein bisschen mehr Niveau noch besser. Dem Publikum hat der Abend gut gefallen. Aktuelle Themen wie Flüchtlinge, aber auch Männer- Frauen Klischees, standen auf dem Programm.

Bernkastel-Kues. Er ist ein bisschen zahmer geworden, der selbst ernannte Brüllaffe der Comedyszene, Ingo Appelt. Man hat als Besucher den Eindruck, dass er die derben Sprüche und das häufig benutzte F-Wort einsetzt, um sich von den anderen Comedians zu unterscheiden. Als Alleinstellungsmerkmal sozusagen. 40 Mal ficken sagt nur er. In der ersten Hälfte seines Programms "Besser … ist besser" wetterte er gegen Nazis, und dass die Men schen im Alltag immer mehr nach rechts rücken. Im zweiten Teil kamen seine gewohnten Mann-Frau Kommunikationssprüche, wie: "Frau will shoppen, statt zu poppen" und malte gekonnt das Bild eines Mannes, der wie bestellt und nicht abgeholt im Shoppingcenter mit der Glitzer- Gucci-Tasche steht. Auch den Kochshows hat er eins übergebraten, denn für ihn wollen Männer, die im Fernsehen kochen, nur Aufmerksamkeit. "Der gockelt da rum` mit seinem Samuraischwert und hofft, dass sie wenigstens sein Essen in den Mund nimmt." Er hat es dann auch noch ein paar Etagen tiefer geschafft, beispielsweise als er sich übers Furzen im Altersheim ausgelassen hat. Das Publikum fand nichts dabei, wahrscheinlich auch, weil er das Niveau des Programms stufenweise im Laufe des Abends gesenkt hat.
Stark war Appelt, als es ums Thema Flüchtlinge ging und er die ganze Aufregung nicht verstehen konnte. "Ich dachte, das wären so viele, dass jeder einen kriegt, oder dass wenn man aus dem Bus steigt, erstmal die Flüchtlinge zur Seite schieben muss, um raus zu kommen, aber das ist ja gar nicht so." Genervt ist von den sogenannten "Sportnazis", die ihn sogar im Urlaub belästigen, indem sie ihm ein schlechtes Gewissen machen, weil sie mit Handy auf dem Oberarm geschnallt an ihm vorbei joggen, während er in Ruhe braun werden will. Auch die Vegetarier bekommen ihren Spruch, "Denn da steckt ja schon Arier drin", so der Comedian. "Demnächst werden bestimmt auch Ekelbilder auf die Wurst gedruckt, da kann man seine Bratwurst zusammen mit den Rauchern auf dem Balkon essen", ist er überzeugt.
Immer gut kommen seine Seitenhiebe auf Kollege Mario Barth, Musiker Herbert Grönemeyer, Marius Müller Westernhagen oder Revolverheld sowie Heidi Klum und Intimfeind Til Schweiger. Von ihm wünscht er sich einmal einen Tatort, in dem Helene Fischer als Leiche zu sehen ist, und Udo Lindenberg über sie stolpert. "Das könnte ein Musical werden - mit Stücken wie `,Die hat ein Silbereisen im Nacken', ,Die atmet überhaupt nicht mehr' und ,Atemlos' - das wäre mal was."
Manchmal muss es eben auch deftig und derb sein, denn nur intellektuelle Nahrung fürs Hirn, ist ja auch einseitig. Chb