Marcel Proust als Comic: Reihe „#literaturintrier“ beleuchtet Werk von Marcel Proust

Literatur : Bunte Zeitreise ins Fin de siècle

Die Welt von vorgestern in ganz moderner Form: Als Graphic Novel erschließt der französische Zeichner Stéphane Heuet vielen Lesern das Universum von Marcel Prousts Roman „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ neu. Die Reihe „#literaturintrier“ in der Trierer Tufa widmet dem Mammutwerk gleich mehrere Veranstaltungen.

Mehr als 5000 Seiten, sieben Bände, dazu ein Stoff mit wenig Handlung, der schon über 100 Jahre zurückliegt und eine untergegangene Epoche ausleuchtet – Marcel Prousts „A la recherche du temps perdu“ (deutsch: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“) ist eine Herausforderung: Rund drei Dutzend Figuren, mehrere französische Orte und eine Gesellschaft, deren Regeln bis ins kleinste Detail festgelegt und uns heute fremd sind. Kein Wunder, dass die meisten Leser nach 400 Seiten aussteigen – wenn sie denn je angefangen haben! Doch Alois Hahn, emeritierter Soziologie-Professor und Proust-Enthusiast, riet dem Publikum in Kleinen Saal der Trierer Tufa am Mittwochabend, die Lektüre auf keinen Fall vorzeitig abzubrechen. „Die Leute, die wir auf den ersten tausend Seiten kennenlernen, werden später völlig anders“, versichert er den rund 60 Besuchern im Podiumsgespräch mit dem Tufa-Vorsitzenden Klaus Reeh im Rahmen der Reihe „#literaturintrier“. Die Proust-Welt sei ungeheuer spannend und soziologisch aufschlussreich, sie enthalte ein ganzes Zeitpanorama rund um das Fin de Siècle anhand der dargestellten Personen.

Einer, der die Auseinandersetzung mit Prousts Werk neu angestoßen und populär gemacht hat, ist Stéphane Heuet. Der französische Zeichner hat seit 1998 bereits sechs Comic-Bände – besser bezeichnet als Graphic Novel – herausgebracht, dieser Tage erscheint in Frankreich der siebte Band. Die formschönen, minimalistischen Zeichnungen mit den dicken Textbalken erleichtern das Eintauchen in eine Welt, in der zunächst noch Kutschen kursierten, die Männer Zylinder trugen und man nur standesgemäß grüßte. Und in der der Duft einer Weißdornhecke oder der Geschmack einer in Lindenblütentee getauchten Madeleine den melancholischen Marcel in die Vergangenheit versetzt. Heuets Buch-Premiere in Paris verhindert, dass der Zeichner selbst nach Trier kommt, wenn nächste Woche FAZ-Feuilleton-Leiter Andreas Platthaus das Heuet-/Proust-Werk beleuchtet  (Mittwoch, 18. September, 20 Uhr). Im kommenden Jahr  will Klaus Reeh dann eine Ausstellung mit Heuets Bildern auf die Beine stellen, kündigte er an.

Heuet habe nicht nur „einen neuen Zugang“ zum Proust-Werk geschaffen, sondern dazu „etwas Neues und Originelles geschaffen“, sagte Reeh. Einen ersten Überblick über Themen, Zeit und Weltanschauung hat das Publikum in Trier nun bekommen. Auch Heuet hat in einem Band („Namen und Orte“) eine Übersicht geschaffen zu den Personen und einen historischen Stadtplan von Paris angefügt, in dem die Orte der Handlung und die Wohnungen der Figuren verzeichnet sind.

Der junge Marcel, die Hauptperson in Prousts Mammutwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, wie Grafiker Stéphane Heuet ihn gezeichnet hat. Foto: Stéphane Heuet
Cover Buch. Foto: Verlag Knesebeck

Karten für die Veranstaltung von „#literaturintrier“ mit Andreas Platthaus gibt es bei Ticket regional, Telefon 0651/7199-996.
Die Bücher: Stéphane Heuet, Marcel Proust, Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, Auf Deutsch erschienen 6 Bände, Verlag Knesebeck, je 19,95 Euro.

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