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Marie Wegener in die Schöne und das Biest: Von der DSDS-Siegerin zur Biest-Befreierin

Musical : Marie Wegener in die Schöne und das Biest: Von der DSDS-Siegerin zur Biest-Befreierin

400 Zuschauer sehen in der Trierer Europahalle die bekannte Geschichte „Die Schöne und das Biest“. Viel wichtiger ist, was sie hören: Die jüngste Siegerin der Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) – in Topform. Und doch gibt es einen Kritikpunkt.

Mai 2018. Moderator Oliver Geissen steht auf der Final-Bühne bei Deutschland sucht den Superstar. Alle Augen sind auf ihn gerichtet, denn er wird in wenigen Minuten aus den verbleibenden vier Kandidaten den nächsten Superstar küren. Wie in diesen Shows üblich, zieht sich seine Entscheidung wie ein Kaugummi. Dann nennt er – endlich – einen Namen: Marie.

Marie Wegener ist mit damals 16 Jahren die jüngste DSDS-Siegerin der Geschichte. Ob sie damals geahnt hat, dass sie anderthalb Jahre später in der Trierer Europahalle ein Biest von seinem Fluch erlöst? Das kann sie nur selbst entscheiden. Was man sagen kann: Sie spielt es phänomenal.

Die Geschichte der französischen Novelle „La Belle et la Bête“ (Die Schöne und das Biest) dürfte den meisten bekannt sein. Trotzdem noch einmal im Schnelldurchlauf: Bella (Marie Wegener) lebt in einem kleinen Dorf, das ihr fremd erscheint. Ihre Schwestern sehnen sich nur nach Reichtum, die Dorfbewohner nach Festen, Frauen und Firlefanz. Allen voran Gustav, der selbst erklärte „Stärkste und Schönste“ unter den Männern aus dem Dorf, versucht mehr tollpatschig als erfolgreich, um die Hand der schönen Bella anzuhalten.

Als Bellas Vater, ein wohlhabender Kaufmann, all seinen Reichtum verliert und von einer Fee zum Schloss des Biestes gebracht wird, bietet ihm dieses einen Tausch an: Er darf gehen und erhält jede Menge Reichtum, wenn er nur eine seiner Töchter schickt. Er nimmt an, schickt Bella zum Biest. Dieses zeigt sich zunächst abweisend, dann verlieben sich die beiden.

Und genau das ist die Rettung des Biestes. Denn sein Fluch des schrecklichen Aussehens kann nur enden, wenn sich eine Frau in ihn verliebt. Auch wenn Gustav ihn erschießt, rettet ihm Bellas Liebe das Leben.

Da hat sich das Biest schon verwandelt, die Liebe ist perfekt: Bella (Marie Wegener) und das Biest (Alexander di Capri). Foto: TV/Christian Thome

Okay, das war jetzt nicht so kurz wie geplant. Aber die Geschichte ist zu vielfältig und romantisch, als dass man sie in wenige Sätze reduzieren sollte. Marie Wegener und ihr Pendant des Biestes (gespielt von Alexander di Capri) füllen sie mit ihren erstklassigen Auftritten mit jeder Menge Gefühl. Di Capri schafft es gleichzeitig, die Szenen, in denen das Biest wütend oder aggressiv wirkt, spannend darzustellen. Auch die übrigen Darsteller machen ihre Sache gut. Mit dem besonders witzigen besten Freund Gustavs, der für mehrere Lacher sorgt, hat das Stück noch einen geheimen Liebling.

Und doch war an diesem Abend nicht alles so perfekt wie Marie Wegeners Stimme. Denn über manche Szenen mit sehr viel Potential geht das Stück zu schnell hinüber – während andere zu lang erscheinen. Beispiel: Während der finale Kampf zwischen Gustav und dem Biest sehr schnell mit einem Schubser und einem Schuss beendet ist, zieht sich eine Szene, in der die beiden Schwestern über Bella und ihre Leiden sprechen über mehrere Minuten.

Aber was soll’s: Die Geschichte ist einfach wunderbar, die 400 Besucher in der Trierer Europahalle sind begeistert. Die beiden Hauptdarsteller sind eine Wucht. Jeder Musical-Regiesseur, der mit einem solchen Talent wie Marie Wegener arbeiten darf, kann sich glücklich schätzen. Dass die erst 18 ist, scheint unglaublich.