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Maskenspiele mit Schauspielern im Trierer Theater

Theatermasken : Maskenspiele mit Schauspielern im Trierer Theater – Wie viel Gefühl die Maske schluckt (Fotos)

„Hinter der Maske ist immer ein lebendiges Gesicht“ – selten war der Satz des irischen Dichters William Butler Yeats zutreffender als in diesen verrückten Zeiten, da den Gesichtern eine Menge von ihrem Leben genommen wird. TV-Mitarbeiter Rainer Nolden hat mit Schauspielern des Trierer Theaters die Probe aufs Exempel gemacht.

Gute Chancen, das Wort, vielleicht auch das Unwort des Jahres 2020 zu werden, hat die „Maske“. Und wenn ihr diese Ehre versagt bleibt, dann dürfte es zumindest eines der meistgenannten, besprochenen und natürlich benutzten Wörter der vergangenen (noch nicht ganz) zwölf Monate sein.

Theater Trier Anna Pircher Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
„Jetzt komm mir bloß nicht so!“ Anna Pircher ist echt stinkig, als sie ihren Freund bei einer veritablen Lüge erwischt. Mit Maske dagegen schaut sie einfach nur ernst drein. Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
Theater Trier Anna Pircher Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER

Der Begriff ist arabischen Ursprungs und abgeleitet von „masara“, was so viel wie Verspottung bedeutet. Und so spottet auch der Versuch, mit Maske vor Mund und Nase das Gesicht zu wahren, jeder Beschreibung. Oder besser: es nicht zu wahren im Sinne von kontrollieren. Denn wer seine Gesichtszüge nicht unter Kontrolle hat, beweist damit im Grunde nur die urmenschliche Eigenschaft, Gefühle zeigen. Denn der Mensch ist schließlich das einzige Lebewesen, das stumm kommunizieren und mit Hilfe der Mimik eine Welt der Gefühle darstellen kann.

Aber dazu braucht es nun mal das ganze Gesicht. Wenn man es damals, zu Zeiten, als man noch unbeschwert neben wildfremden Mensch dicht an dicht an der Bar sitzen durfte, unbedingt verstecken wollte, dann ging das eigentlich nur in der fünften Jahreszeit. Die Karnevalsmaske war und ist dazu gedacht, sich in ein Wesen zu verwandeln, das man im Unterbewusstsein gern sein möchte. Die OP-Maske dient dem Schutz von skalpellbewehrtem Arzt und aufgeschnittenem Patienten, und die Theatermaske wird (in normalen Zeiten) einmal pro Jahr in Trier verliehen.

Martin Geisen ist hier zum Heulen zumute. Oder etwa nicht? Hinter der Maske könnte er allerdings auch sauer sein. Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
Theater Trier Martin Geisen Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
„Alter Schwede! Was treibt dich denn hierher?“ Sieht so aus, als ob Martin Geisen ein  Schulfreund über den Weg gelaufen ist, den er seit Jahren nicht gesehen hat. Mit Maske reißt er allerdings nur die Augen auf. Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
Theater Trier Martin Geisen Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER

Aber die Masken, die man zur Zeit überall tragen muss, sind einfach nur … lästig. Das einzig Positive an ihnen ist, dass man unter ihnen durch den offenen Mund atmen kann, ohne gleich für debil gehalten zu werden. Ansonsten aber behindert sie das Zwischenmenschliche auf extreme Weise. Ist das Gegenüber sauer oder freundlich, angeekelt oder verliebt? Wütend oder gelangweilt? Es braucht nun mal das ganze Paket von den Augen bis zur Unterlippe, um das mit Gewissheit beurteilen zu können.

Luiza Braz Batista. Anna Pircher, Martin Geisen und Giovanni Rupp, Schauspieler(innen) im Ensemble des Theaters, sagen denn auch übereinstimmend, dass das Proben mit Masken eine ganz neue Herausforderung darstellt. Oft müsse man sein Gegenüber fragen, wie es denn gerade reagiert habe.

  Hier macht Giovanni Rupp einen auf Kinski. Der war ja berühmt bzw. berüchtigt für seine legendären Wutanfälle, die jeden jederzeit treffen konnten. Mit Maske guckt er eher erstaunt. Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
Theater Trier Giovanni Rupp Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
So reagiert jemand, der um die Ecke biegt und sich auf einmal drei finsteren Gestalten gegenübersieht, die nichts Gutes im Schilde führen. Hinter der Maske kann Giovanni Rupp seinen Schrecken allerdings ganz gut verbergen. Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
Theater Trier Giovanni Rupp Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER

„Der Kommunikationsfluss ist unterbrochen“, sagen alle vier übereinstimmend. Der TV hat die vier gebeten, bei einem Experiment mitzumachen. Es geht um jene Gefühle, bei der das ganze Gesicht eigentlich unabdingbar ist. Sie sollen lachen und trauern, wütend sein, herablassend oder verliebt gucken. Hier sieht man viermal denselben Menschen, dieselben Emotionen, einmal mit halbem und einmal mit ganzem Gesicht.

So lacht wohl eine Frau über den Witz eines Mannes, den sie attraktiv findet – egal, ob die Pointe sitzt oder nicht. Luiza Braz Batista scheint an dem Kerl echt interessiert zu sein. Mit Maske kneift sie allerdings nur die Augen zusammen – vielleicht, weil die Sonne sie blendet. Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
Theater Trier Luiza Braz Batista Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
So sieht Ekel aus – wenn Augen, Nase und Mund beteiligt sind. Mit der halben Gesichtsbedeckung dagegen kann Luiza Braz Batista nicht einmal die Hälfte ihres Abscheus kommunizieren. Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER
Theater Trier Luiza Braz Batista Foto: Hans Krämer/HANS-KRAEMER

Den Damen und Herren hat, so viel darf man sagen, hat diese Übung eine Menge Spaß gemacht, konnten sie doch ihrem Affen so viel Zucker geben, wie der gerade noch schlucken konnte. Und alle waren sich einig: Ein halbes Gefühl mit vollem Gesicht ist allemal doppelt so viel wert wie ein ganzes Gefühl mit halbem Gesicht.