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Maßvoll ins Jubiläum

Maßvoll ins Jubiläum

Das "Orchestre Philharmonique du Luxembourg" startet in die Jubiläumsspielzeit mit einem Programm, das auf Vermittlung zwischen Extremen setzt und das doch mehr ist als purer Durchschnitt.

Luxemburg. 75 Jahre "Orchestre Philharmonique du Luxembourg" - das Jahresprogramm des luxemburgischen Staatsorchesters verkündet optisch schlicht, aber doch unübersehbar das Jubiläum. Fraglos hat das 1933 gegründete ehemalige RTL-Orchester seit seiner Übernahme durch den luxemburgischen Staat im Jahr 1996 seine Qualität gesteigert und international an Renomee gewonnen. Das unterstreicht die große Zahl an Auslandskonzerten - unter anderem in Weimar zum Saisonstart am 6. September. Das 190 Seiten starke Jahresprogramm der Luxemburger präsentiert die stolze Zahl von nahezu 100 Konzerten, darunter Kammerkonzerte, Konzerte für Kinder und Gastveranstaltungen, sowie die Mitwirkung an drei Produktionen des "Grand Théâtre" und listet im Anhang immerhin 94 Musiker auf. Damit kann das OPL auch die meisten groß besetzten Kompositionen ohne Aushilfe spielen. Spektakuläres lässt sich im Jubiläumsprogramm nicht unbedingt entdecken. Emmanuel Krivine, langjährig erster Gastdirigent und seit 2006 Chef des OPL, hat ein Programm der Mitte konzipiert - historisch, stilistisch und geografisch. Die 20 sinfonischen Konzerte in der Philharmonie, zweifellos gemeinsam Zentrum im Konzert-Angebot des Orchesters und des Konzerthauses, meiden die Extreme. Für das OPL-Programm beginnt die Musikgeschichte mit Joseph Haydn, dessen Spätwerk "Die Jahreszeiten" bei Pierre Cao und dessen Vokalensemble "Arsys Bourgone" zweifellos in beste Hände gerät. In die Gegenwart begibt sich das OPL neuerdings nur mit erkennbarer Vorsicht. Unter den luxemburgischen Komponisten ist allein Georges Lentz mit einer Uraufführung präsent. Selbst der Schönberg-Abend, übrigens gleichfalls im Rahmen der Echternacher Festspiele 2009 und immerhin mit Michael Gielen am Pult, wird durch die As-Dur-Messe von Franz Schubert entschärft. Freilich liefert das OPL außerhalb der philharmonischen Zyklen einen Beitrag zu den "Rainy Days" der Philharmonie im November - und das mit einem abendfüllenden Bernd-Alois-Zimmermann-Programm. Emmanuel Krivine setzt auch geografisch und stilistisch auf die Mitte. Offensichtlich bezieht der OPL-Chef eine europäische Perspektive. Er hat die Musik der französischen Impressionisten aufs Programm gesetzt und die der deutschen Romantiker, hat mit Glasunow und Schostakowitsch bedeutende russische Musik integriert, hat Carl Nielsen und Jean Sibelius ebenso berücksichtigt wie Mahler und Richard Strauss, und zwei Konzerte konzentrieren sich auf Brahms und dessen Protegé Antonin Dvorak. Schließlich setzt Krivine auch stilistisch auf Ausgewogenheit. Das klassische deutsche Repertoire "absoluter Musik" von Haydn bis Alban Berg erscheint nur ausschnittsweise. Aber auch Programmmusik mit ihrer Tendenz zum Plakativen dominiert nicht. Und ein paar Entdeckungen gibt es auch: Liszt-Klavierstücke in Orchesterfassungen von Heinz Holliger. Aribert Reimanns "Tarde" für Sopran und Orchester. César Francks "Sinfonische Variationen" für Klavier und Orchester gehören in Deutschland zu den Raritäten, und mit Carl Nielsens 2. Sinfonie steht es ähnlich - die erscheinen allerdings in einem Gastkonzert des Lütticher Orchesters. Und wo, bitte, hört man östlich von Sauer und Mosel Gabriel Faurés Orchestersuite "Pelléas et Mélisande"? Das OPL-Programm 08/09 (Auszüge) 16./17. Oktober 2008: Franz Liszt/Heinz Holliger: "Nuages gris", "Unstern" (Fassungen für Orchester), Camille Saint-Saens: Klavierkonzert Nr. 5 (Solist: Aldo Ciccolini), Maurice Ravel: Une barque sur l'océan, Claude Debussy: Images. Dirigent: Emmanuel Krivine 22. November 2008: Bernd Alois Zimmermann: Photoptosis, Dialoge, Musiques pour les soupers du roi Ubu. Dirigent: Arturo Tamayo 29. Januar 2009: Joseph Haydn, Die Jahreszeiten. Vokalensemble "Arsys Bourgogne", Dirigent: Pierre Cao 20. Februar 2009: Franz Schubert: Rosamunde, César Franck: Variations symphonique pour piano et orchestre (Solistin: Plamena Mangova), Carl Nielsen: Symphonie Nr. 2 (Die vier Temperamente). Philharmonisches Orchester Lüttich (als Gast), Dirigent Pablo Gonzalez 5. März 2009: Claude Debussy: Printemps, Gabriel Fauré: Pelléas et Mélisande, Richard Strauss: Tod und Verklärung und Schlussszene aus "Capriccio" (Solistin: Soile Isokoski). Dirigent: Emmanuel Krivine 12. Juni 2009: Franz Schubert, "Intende Voci"" und Messe As-Dur. Arnold Schönberg, Psalm 92 und "Kol Nidre". EuropaChorAkademie, Dirigent: Michael Gielen 2. Juli 2009: Georges Lentz, Orchesterwerk (Uraufführung). Dirigent: Emmanuel Krivine Einzelverkauf ab 1. September. Orchestre Philharmonique du Luxembourg, Roint-Point Schuman, L-2525 Luxembourg, Tel. (00352) 470895-1, www.luxembourgticket.lu, ticketlu@pt.lu