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Matthias Reim und Band treten zum ersten Mal in Trier auf, begeistern über 1700 Fans und ein Missverständnis wird geklärt.

Musik : Ein wenig Schmalz, verdammt viel Herzblut!

Matthias Reim und Band treten zum ersten Mal in Trier auf, begeistern über 1700 Fans und ein Missverständnis wird geklärt.

„Das war das beste erste Konzert in einer Stadt, das ich je gespielt habe“, sagt Matthias Reim im Brustton der Überzeugung nach zweieinhalb Stunden Vollgas-Musik in der Trierer Arena am Samstagabend. Diese Überzeugung zieht sich durch den ganzen Abend, das nennt man wohl Authentizität.

Er lebt seinen Traum, nach all den tiefen Löchern, aus denen der 60-jährige Sänger und Schlagerstar sich im Laufe seiner 30-jährigen Karriere wieder aufgerappelt hat, er liebt sein Publikum und man glaubt ihm jedes Wort, wenn er sagt: „Ihr seid mein Glück!“

Über die schiere Qualität der Melodien und Texte mag man streiten, da ist viel Party-Hände-zum-Himmel-Gassenhauermusik dabei, Schmalziges gar. Aber dass das alles sehr, sehr gut gemacht und professionell dargeboten wird, ist schon nach wenigen Minuten klar. Es fängt mit der Lightshow an, die hat internationales Niveau und erzeugt Stimmungen und optische Gänsehaut-Reize. Die sechsköpfige Band und die zwei Begleitsänger sind über jeden Zweifel erhaben, große Klasse. Ein  – zu Recht viel umjubeltes – Heimspiel hat der gebürtige Trierer Michael Brettner, der seit zehn Jahren bei Reim mitspielt und einige mitreißende Gitarrensoli im Stile eines echten Rockstars abliefert. Und dann ist da noch Rainer „Elute“ Kind, an den Drums ein wirklicher Könner. Den bezeichnet selbst Reim bei der ausführlichen Band-Vorstellung als „Trierer“. Um mit dem gängigen Missverständnis einmal aufzuräumen: Der Mann ist ein waschechter Beuriger aus Saarburg, dort immer noch aktiv als Leiter des „Sorglos-Theaters“ im Fastnachtsverein „Hau-Ruck“, der mit einer großen Abordnung inklusive Elutes Ehefrau und Eltern angereist ist und für tolle Stimmung sorgt.

Im Programm mischt Reim geschickt neue und alte Lieder, rockige Balladen und Liebeslieder, die vor allem um männliche Befindlichkeiten in der Beziehung zu Frauen kreisen. Männlich bedeutet hier natürlich Matthias Reim. Und Frauen, ja da ist der Plural durchaus angebracht, er hat einen Ruf als Schwerenöter, hat sechs Kinder von fünf Damen. Das Publikum findet sich da wieder, oder träumt sich zumindest dahin, kann den alten, einsamen Wolf jedenfalls gut verstehen. Bunt gemischt, oder „ein Querschnitt der Bevölkerung“ auf den Rängen und im Parkett, unten stehen schon alle beim ersten Lied, feiern und tanzen, oben im Rang herrscht mehr Zurückhaltung. Ein älterer Herr nickt gar ein, ein Ü-50-Paar schaut teilnahmslos, aber halt, da: die Füße wippen, also wohl cool kontrollierte Emotion. Manche grölen, alle singen mit, das Bier strömt und tut seine Wirkung.

Reim badet geradezu im Jubel, greift immer wieder nach den Händen, die ihm entgegengestreckt werden. Er ist stimmfest, sein raues Organ dringt dank perfekter Technik und mit Unterstützung der zwei formidablen Chorsänger bis in den letzten Winkel des gut besetzten Karrees. Dazu spielt er Gitarre und Mundharmonika, er ist einfach verdammt gut. Verdammt gelebt hat er, verdammt gefeiert, verdammt die Eifersucht gespürt und verdammt noch mal verziehen. Seit seinem 1990er Megahit „Verdammt ich lieb dich“ zieht sich dieses Wort durch sein Leben, seine Texte, seine Moderationen. Der exzessive Gebrauch scheint so etwas wie ein Markenzeichen zu sein. Aber auch hier gilt: Man nimmt es Matthias Reim ab, also Verzeihung für die Kritik, verdammt!

Verdammt gut: Matthias Reim singt zum ersten Mal in Trier, dazu spielt ein Trierer Gitarre: Michael Brettner. (TV-Foto: Dirk Tenbrock) Foto: Dirk Tenbrock

Noch ein Wort zur Musik. An manchen Stellen erinnert die an Größen wie Peter Maffay, Marius Müller-Westernhagen oder gar Bob Dylan, sich an solche Legenden anzulehnen tut dem Stil des ersten gesamtdeutschen Schlagerstars gut. Hier ist jedenfalls nirgendwo Plastik zu finden, alles ist echtes Leder, der Schweiß und die Tränen sind echt, Blut fließt allerdings keins. Nur Herzblut und davon gibt Reim viel und das Publikum feiert ihn dafür frenetisch.