| 20:40 Uhr

Max Mutzke und die SWR-Big-Band in Bernkastel-Kues: 800 Zuschauer beim Mosel Musikfestival Open Air.

Bernkastel-Kues. Knallender Bi- Band-Sound und ein energiegeladener Sänger der Extraklasse vor der romantischen Mosel-Kulisse von Bernkastel-Kues - das ist das Rezept für ein großartiges Konzert vor über 800 Zuschauern beim Mosel Musikfestival Open Air. Dirk Tenbrock

Das Glück ist mit dem Tüchtigen, das mag sich der Intendant des Mosel Musikfestivals, Hermann Lewen, gedacht haben, als er nach der Pause des Konzertes in den Bernkastel-Kueser Moselauen berichtete, dass er die herannahenden, tiefschwarzen Regenwolken mal eben auf die andere Seite der angrenzenden Weinberge "verschoben" habe. Dem Manne mangelt es nicht an Selbstbewusstsein; zu Recht, hat er doch mit dem Konzert des Ausnahme-Sängers Max Mutzke und der SWR-Big Band seinem Publikum wieder einen exquisiten Abend beschert.
Mosel Musikfestival


Über 800 Menschen sitzen und stehen im großzügig bemessenen Zuschauerbereich, flanieren, trinken ein Glas Wein oder verköstigen sich am hippen Food-Truck. Der Veranstalter hält das rechte Maß, es ist angenehm voll, aber es herrscht kein Gedränge. Die Stimmung ist heiter, schon als die ersten Musiker der exzellenten Band die wunderbar farbig ausgeleuchtete Bühne betreten, brandet Applaus auf.
Balladen prägen erste Hälfte


Stimmungsvolles farbiges Licht, das war es auch schon mit den Effekten. Die braucht es auch gar nicht, wie die Mannen von Bandleader Klaus Wagenleiter (Piano) mit einem swingenden "Sweet Lucy" und "Strasbourg St. Denis" eindrucksvoll beweisen.

Ihr Auftritt ist effektvoll genug, ein Meister seines Fachs spielt neben dem anderen. Dann kommt Max Mutzke, der sicher vielseitigste Sänger seiner Generation, ein uneiteler Show-Mann, der über die Bühne shuffelt, mit einer grandios variantenreichen und sicheren Stimme ausgestattet. Jeder Ton sitzt, kein Wackeln, alles sieht selbstverständlich und locker aus, obwohl es höchste Anstrengung und eine grandiose Technik erfordert. Das nennt man wohl Virtuosität. Der perfekt ausgesteuerte Ton dringt rein und klar bis in die letzte Reihe, das Publikum geht groovend mit.
Band aus Top-Solisten


"Leise ist anders", hatte es zu Beginn geheißen, "die Handys können an bleiben!" Ganz so dicke kommt es dann nicht, Balladen bestimmen die erste Konzerthälfte, "Welt hinter Glas" sowie "Me & Mrs. Jones" heißen die absoluten Gänsehaut-Höhepunkte. Dann bleiben 30 Minuten Pause, um den Wolken beim Rückzug über die Burg Landshut zuzuschauen, den Riesling zu kosten und sich auszutauschen: "Ein herrliches Erlebnis, dieser Sound, diese Stimme", sagt eine Zuschauerin, die mit ihren Freundinnen extra aus Mainz angereist ist.

Die Posaunen dürfen zeigen, dass sie kein träges Instrument sind, der Drummer kann auch hervorragend arrangieren, und einen Weltklasse-Bassisten hat die Band auch, jeder glänzt auch als Solist.
Star des Abends bleibt aber Mutzke, der dann noch den Song bringt, mit dem er berühmt wurde: "Just can't wait until tonight". Die Mainzer Damen schmelzen dahin, Mutzke strahlt, die Einmaligkeit eines Live-Konzertes entfaltet ihren Zauber.