Maximierung Mensch - Das Festivaltagebuch

Es sind stressige Tage für Peter Oppermann. Der Chefdramaturg des Theaters und Festival-Leiter ist noch geschäftiger unterwegs als sonst, hält viele Fäden in der Hand.

 Stadt in Aufruhr. Foto: Marco Piecuch

Stadt in Aufruhr. Foto: Marco Piecuch

Aber auch Tempo hilft manchmal nichts: Gestern Abend hätte er sich schon zweiteilen müssen, um bei der Jelinek-Premiere in der Banannefabrik (Besprechung folgt) und beim Kölner Gastspiel von Markus John im Foyer dabei zu sein. Zwischendurch schaut Oppermann im großen Saal bei den Schlussproben für "Minna von Barnhelm" vorbei. Intendant Gerhard Weber inszeniert den Klassiker, und so, wie Weber ihn sieht, passt er genau in das "Maximierung Mensch"-Festival. Erfolgreiche, emanzipierte Frau liebt arbeitslosen Mann. Der ist auch noch ein traumatisierter Kriegsheimkehrer, von der Gesellschaft aussortiert. Sein Geld ist schon weg, seinen Stolz hat er noch. Aber wie lange? Das ist ganz alter Lessing, und klingt doch genau wie die zeitgenössischen Stücke des Festivals. Nach der Premiere am Samstag wird man es genauer wissen. Schon früher, nämlich heute Abend, schlägt die Stunde der Wahrheit für "Stadt in Aufruhr", die Tufa-Produktion mit der Gruppe International. Wenn die Prognosen zutreffen, geht es bei schwülen Temperaturen ab 20 Uhr von der Tufa aus auf etlichen Stationen durch die City, zwecks Erkundung des revolutionären Potenzials der Stadt. Donner und Blitz nicht ausgeschlossen, aber mit etwas Glück nur inhaltlich, nicht meteorologisch. Parallel lockt ein Gastspiel des Schauspiels Dortmund in die Hochschule am Paulusplatz: Um 19 Uhr wird dort Mike Daseys "Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs" gezeigt. Ein paar Zuschauer werden dann wohl ziemlich müde sein, haben sie doch am Abend schon einen ganztägigen wissenschaftlichen Kongress hinter sich, den die Uni ab 9.30 Uhr im Theaterfoyer veranstaltet. In acht hochkarätig besetzten Vorträgen geht es um "Revolution im zeitgenössischen Theater", konkret: um die theatrale Auseinandersetzung mit der Krise. Zuschauer sind willkommen, der Eintritt ist frei. Gleiches gilt übrigens auch für die Festival-Premierenparty ab 22 Uhr im Foyer.

Wir begleiten das große Trierer Theaterfestival bis kommenden Montag unter anderem mit einer täglichen Kolumne. Weitere Informationen zu den 18 Aufführungen unter www.maximierung-mensch.de

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