Mehr als Dire Straits: Mark Knopfler beim Auftritt in der Rockhal Esch.

Konzert : Mark Knopfler: Der Rockstar wider Willen - Konzert in Luxemburg

Zwischen den Dire Straits und Folk: Mark Knopfler spielt vor knapp 5000 Zuschauern in der ausverkauften Rockhal Esch.

Die „argen Nöte“, die der Bandname verspricht, sind schnell vorbei: Mag sein, dass die frühen Tage der Dire Straits prekär waren, von der Hand in den Mund, ein Kampf ums Überleben, unendlich weit weg vom Geld fürs Nichtstun. 1977: Punk ist seit ein paar Monaten das übergroße Ding im Königreich. Und genau dann kommt Sänger und Gitarrist Mark Knopfler – gelernter Reporter, Ende zwanzig – mit seinen Dire Straits um die Ecke. Mit Rock, der eher im Blues wurzelt. Der nicht auf Krawall gepolt ist, der nicht nach Anarchie bellt. Erfolgreich werden sie trotzdem. Mit Songs wie „Sultans of Swing“, später dann „Romeo and Juliet“, bevor es in den 80ern erst richtig losbricht: Ihr digital aufgenommenes Album „Brothers in Arms“ schiebt 1985 die Akzeptanz der damals brandneuen Compact Disc entscheidend voran. Und das computeranimierte „Money for Nothing“ ist das erste Video, das bei MTV Europe läuft. Passenderweise mit dem in der Aufnahme von Sting gesungenen „I want my MTV“-Falsett im Intro.

Die CD ist längst dem Tode geweiht. Auch die Dire Straits sind seit 1995 Vergangenheit, aufgelöst von Mark Knopfler höchstselbst. Sie wurden ihm zu gigantisch. Der Mann liebt die Musik, aber nicht den Zirkus drumrum. „Eine Weile war es mit den Dire Straits ganz wunderbar“, sagte er im vergangenen Jahr dem „Zeit-Magazin“ in einem bemerkenswerten Interview: „Dann wurde mir dieser Traum zu groß.“

Dem Vernehmen sind auch die Tage gezählt, den gebürtigen Schotten live mit seinem Soloprogramm auf der Bühne zu erleben, wenn er seine Meinung nicht geändert hat. „Ich denke, ich sollte aufhören“, sagt er beim ausverkauften Auftritt vor knapp 5000 Zuschauern in der zum Teil bestuhlten Rockhal Esch. Es folgt eine kurze Pause – und sein Nachschub macht Hoffnung: Aber es mache schließlich so viel Spaß, live zu spielen. Mit seinen neun Kollegen auf der Bühne, alles herausragende Musiker („Sie spielen zusammengenommen 48 Instrumente“), setzt er das auch um. Er könnte es sich bequem machen und einen Dire-Straits-Hit oder Klassiker nach dem anderen abfeuern. Da gäbe es genug. „Sultans of Swing“ oder „Walk of Life“, „Brothers in Arms“, „Calling Elvis“ oder „Telegraph Road“ – die spielt er in Luxemburg im zweistündigen Programm allesamt nicht, auch nicht seinen bekanntesten Solo-Hit „What it is“. Vielleicht ist auch „Money for Nothing“, als Zugabe, ein kleines Zugeständnis: Der Song klingt stärker als jeder andere des Abends nach den 80ern. Dabei mag man vor dem geistigen Auge noch mal den ziemlich jungen Knopfler sehen, den im Muskelshirt, mit knallrotem Schweißband ums Handgelenk und farblich passendem Stirnband. Den Rest des Abends passiert das kaum: Knopflers umfangreiches Solo-Werk – eine Handvoll Dire-Straits-Song wie „On Every Street“ oder „Your Latest Trick“ spielt er auch – ist angenehm zeitlos: Immer wieder wird seine Liebe zum Folk deutlich, zur schottischen Tradition (auch wenn Knopfler nur seine ersten Lebensjahre in Glasgow verbrachte), auch zum Country. Und an seinem Gitarrenton kann man Knopfler ohnehin sehr zuverlässig erkennen: Er lässt die Gitarre singen wie kaum ein anderer, nicht nur die Fender Stratocaster: Gefühl ist alles, Tempo ist nichts. Das Höher-Schneller-Weiter  hat ihn schließlich nie so wirklich interessiert. Mit riesigen Bühnenshows und Inszenierungen kann er nichts anfangen. Er blieb auch zu Hause, als seine Dire Straits vor zwei Jahren in Cleveland feierlich in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen wurden: „Zu viel Stress“, begründete er sein Fernbleiben. Vielleicht überlegt er sich noch, der Bühne doch noch eine Weile erhalten zu bleiben. Gestresst wirkte er in der Rockhal keine Sekunde. Im Gegenteil: sogar ziemlich entspannt.