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Mehr als ein Spektakel

Mehr als ein Spektakel

Die Römer-Schau "Brot und Spiele" war bislang ein hochwertiges, aber eher buntes Spektakel. Mit einem eigens fürs Amphitheater geschriebenen Theaterstück will man nun Kultur und Show stärker miteinander verbinden und das Publikumsspektrum erweitern.

Trier. Pünktlich zum Konstantin-Jahr wird das ohnehin üppige Historien-Angebot um eine spannende Facette erweitert. Das Stück "Blutiger Lorbeer" soll die bekannten Gladiatoren-Shows mit einem ernst zu nehmenden Schauspiel verbinden. Die dramaturgische Idee klingt dabei clever: Das Stück thematisiert die Hochzeit Kaiser Konstantins mit Fausta, die wahrscheinlich vor 1700 Jahren in Trier stattgefunden hat. So kann es einerseits die Persönlichkeit Konstantins mit allen Mitteln des Theaters beleuchten, anderereits aber auch Pferde- und Kampf-Spektakel bieten - denn selbstverständlich feierte der Kaiser seine Vermählung mit reichlich Brot und blutigen Spielen.Stück entwirft Psychogramm Konstantins

Für das Schauspiel zeichnet der Autor und Regisseur Alexander Etzel-Ragusa verantwortlich. Der langjährige Chefdramaturg des Trierer Theaters will das Römerfestival im sechsten Jahr seines Bestehens "über das bisherige dokumentarische Spektakel hinaus weiterentwickeln". Die Ambition geht dabei über Karl-May-Festspiele im antiken Ambiente weit hinaus. Das Stück soll ein Psychogramm Konstantins zeichnen, dieses "Karrieristen aus Enttäuschung", wie ihn Etzel-Ragusa nennt. Einer, der sich aus vergleichsweise kleinen Verhältnissen nach oben boxt, mit lauteren und unlauteren Mitteln an die Macht arbeitet. Eine Traum-Rolle für Schauspieler Klaus-Michael Nix, der auch im Trierer Theater als Spezialist für gebrochene Charaktere das Publikum begeistert. Das Intrigen-Spiel soll dabei historisch korrekt über die Bühne gehen. Eine Geschichsklitterung wie etwa im Hollywood-Schinken "Konstantin der Große" komme "keinesfalls infrage", versichert Etzel-Ragusa. Natürlich sei das Stück, wie jedes Theater, "eine Verdichtung der Realität", die aber "auf recherchierten historischen Fakten beruht". Dafür steht auch, dass Konstantin-Ausstellungs-chef Eckart Köhne offiziell als historischer Berater firmiert. Für künstlerische Qualität garantiert auch die Besetzung mit Manfred-Paul Hänig (Altkaiser Maximian) und Tim Olrik Stöneberg (Thronfolger Maxentius). Hille Beseler (Fausta) und Christoph Bangerter (Lobredner Eusebius) bescheren ein Wiedersehen mit ehemaligen Stützen des Trierer Schauspiel-Ensembles. Gar zu schwer soll die Kost aber auch nicht werden. In die Spiellänge von 90 Minuten sind die in den letzten Jahren hoch gelobten Gladiatoren-Auftritte in der Choreographie von Dario Battaglia, Schlacht-Szenen und sogar Pferde-Stunts integriert. Auch das historisch vertretbar, gehörte doch das Nachspielen von Schlachten zum Programm antiker Amphitheater-Spiele. "Eine Art Wochenschau der Antike" nennt das Regisseur Etzel-Ragusa.Auch wenn die Besetzungsliste der Produktion (Bühnenbild: Robert Kaes; Kostüme: Carola Vollath) auf den ersten Blick so wirkt wie ein Schauspiel-Cast der Antikenfestspiele: Veranstalter bleibt die Medienfabrik Trier. Gesamtleiter Ronald Frank entwickelt sein erfolgreiches Projekt weiter und besetzt damit die Marktlücke zwischen dem Familienspektakel und der Festspiel-Hochkultur. Der Stadt Trier kann eine Abrundung des Angebots nur nützen - sofern die Beteiligten sich nicht als Konkurrenz betrachten. Und sich vielleicht sogar in fernerer Zukunft gemeinsam vermarkten.