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Mehr als eine 80er-Band: Tears for Fears spielen in der Abtei Neumünster

Konzert : So war’s bei Tears for Fears: Saat der Liebe und Träume vom Sterben

Kurz, aber ziemlich gut: So war’s bei Tears for Fears im Innenhof der Abtei Neumünster.

Es gibt eine Bezeichnung, mit der man Roland Orzabal und Curt Smith zuverlässig aufs Bäumchen bringen kann: Wenn man Tears for Fears eine „80er-Band“ nennt. Und auch, wenn die beiden Endfünfziger aus dem englischen Bath wohl kaum jeden deutschen Presseartikel lesen werden: Nein, nein, Tears for Fears sind keine profane 80er-Band. Keine Rede davon. Sie sind 80er-Legenden. Mit einer ganzen Reihe Songs, die die Jahrzehnte gut überstanden haben.

Da lassen sich TFF gerne mal vor Beginn ihrer kurz-und-knackigen 90-Minuten-Show in der Abtei Neumünster zitieren: Über die Anlage läuft das Cover von Sängerin Lorde, dann eröffnen Smith, Orzabal und die vier Mitmusiker mit der Originalversion von „Everybody Wants to Rule the World“ das Konzert. Der von den späten Beatles inspirierte Hit „Sowing the Seeds of Love“ folgt gleich als dritter Song, kurz darauf „Pale Shelter“ – die Band hat also keine Angst, zu früh ihr Pulver zu verschießen. Das muss sie auch nicht. Das erste Stück, das etwas abfällt, stammt aus den 90ern, „Break it Down Again“. Orzabal – der Haupt-Songwriter – hatte sich damals von Smith getrennt. Beide redeten dem Vernehmen nach zehn Jahre lang kein Wort miteinander. Tears for Fears hatten an Relevanz verloren. Anfang des Jahrtausends fanden die beiden Sänger wieder zueinander, die Arenen wurden wieder größer – mehr als ein Album sprang bisher aber nicht raus: „Everybody Loves a Happy Ending“ ist mittlerweile 15 Jahre alt. Die allermeisten Zuschauer kommen aber ohnehin wegen der alten Hits. Da gibt es die melancholische Seite, vor allem zu hören auf dem Debüt „The Hurting“ (1983) über die schwierige Kindheit – mit Textzeilen wie „I find it kinda funny, I find it kinda sad/The dreams in which I‘m dying are the best I‘ve ever had“. Die Träume über Sterben in „Mad World“ wurden 20 Jahre später in einer sehr ruhigen Coverversion von Gary Jules zum Nummer-eins-Hit. Da ist das Cover wohl sogar berührender als das schnellere Original.

Apropos Covern: Orzabal sorgt auf der aktuellen Tour, die sie auch noch mit wohl identischer Setlist nach Bonn und Mainz führen wird, für eine Überraschung. Er versucht sich an Radioheads 90er-Hit  „Creep“ – das ist interessant, aber kein Höhepunkt des Abends. Den gibt’s dafür bei „Woman in Chains“ mit Sängerin Carina Round und in der Zugabe „Shout“.

Alles in allem ein schöner, heißer Abend im nicht ganz ausverkauften Innenhof der Abtei. Dass es kein großartiger wird, liegt wohl an der aktuellen Tears-for-Fears-Zweckgemeinschaft: Freunde werden Smith und Orzabal wohl nicht mehr. Das spürt man auch auf der Bühne, das ist mehr Routine als purer Spaß. Ob das schon seit längerem angekündigte neue Album noch kommt und noch mal ein großer Hit jenseits der 80er abfällt? Abwarten.

Weitere Tears-for-Fears-Konzerte in der Region: 28. Juni: Bonn, Kunst!Rasen (Special Guest: Kim Wilde), 14. Juli: Mainz (Summer in the City)