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Mehr Geigen für den Genesis-Himmel

Mehr Geigen für den Genesis-Himmel

Entstehungsgeschichte mit Geigen: Ex-Genesis-Sänger Ray Wilson gastiert am 19. April mit einem Symphonie-Ensemble in Bitburg. Der TV hat vor dem Abend mit dem 43-jährigen Schotten gesprochen, dessen erster Ruhm mit einer Jeans-Werbung kam.

Bitburg. Ray Wilson also: knapp 20 Jahre jünger als der Rest, ein Schotte unter Engländern. Einer, der sich selbst stolz als "Working-class-boy" bezeichnet. Und der knallt in eine Band, die klassisch upper class war und einst im Elite-Internat zusammengefunden hatte. Was so welk nach RTL-Dokusoap-Script riecht, gab es schon einmal. Es war ziemlich überraschend, als Genesis im Jahr 1996 mit einem neuen talentierten Sänger um die Ecke kam, der mit seinen Vorgängern Peter Gabriel und Phil Collins nun so gar nichts gemein hatte. Gabriel, das war die große Künstlerseele, Weltmusik-Förderer, uninteressiert an den ausgelatschten Wegen des Musikgeschäfts. Collins, tja, guter Schlagzeuger, der Genesis als Sänger das Radio näherbrachte - und damit letztlich den großen kommerziellen Erfolg. Und Ray Wilson? Der war damals noch keine 30 und hatte zwei Jahre zuvor dank Levi\'s-Werbung den einen großen Grunge-Hit, der länger hielt als jede 501: "Inside" von seiner Band Stiltskin. Mit Wilson am Mikro, der sich im Video am Ende so gar nicht Phil-Collins-mäßig auf dem Boden wälzt.
Die Liaison zwischen Wilson und Genesis hielt nur eine Platte ("Calling all Stations") und eine Tour lang. Die war anstrengend, aber nicht restlos befriedigend, findet Wilson heute: "Wir hatten 44 Shows an 60 Tagen. Und als das Programm gesessen hatte, war jede Show identisch."
Langweilig also? So würde Wilson seinen Stadion-Sommer als Frontmann von Genesis nicht nennen. Aber bei den eigenen Shows ist ihm wichtig, dass mehr Abwechslung drin ist. Wer aktuell Genesis-Stücke hören will, die über reines Covern hinausgehen, wird beim 43-Jährigen üppig bedient. "Ich versuche, den Stücken aus dem Genesis-Kosmos noch was Neues hinzuzufügen", sagt Wilson. Das heißt: Er spielt nicht nur die Hits von Genesis, sondern widmet sich auch den Solo-Erfolgen der einzelnen Musiker. Etwa von Mike & the Mechanics oder Peter Gabriel (Solsbury Hill), aber eben auch von Stiltskin.
Kontakt zu den anderen Genesis-Mitgliedern hat Wilson nicht mehr, sagt er. Da waren die Welten wohl doch zu verschieden. Ihn stört es auch nicht, dass er wohl immer der unbekannteste der drei Genesis-Sänger bleiben wird: "Natürlich hatten Peter Gabriel und Phil Collins größeren Erfolg als ich. Aber wenn es um die gesanglichen Fähigkeiten geht, muss ich mich nicht hinter beiden verstecken. Sonst wäre ich damals auch nicht als Nachfolger von Collins ausgewählt worden."
Seit drei Jahren lebt der Schotte mit seiner polnischen Freundin in Posen. Wenn er denn nicht unterwegs ist. Wilson steht im Jahr bis zu 150 Mal auf der Bühne. Mal mit einer Akustik-Show, mal mit den wieder aktiven Stiltskin und mal gemeinsam mit einem Symphonie-Ensemble aus Berlin. Mit der Genesis-Symphonie-Variante gastiert Wilson auch am 19. April in der Stadthalle Bitburg. "Das hat es in der Form mit Genesis nie gegeben."
Wilson macht kein Geheimnis daraus, dass er mit dem frühen Progressive-Rock der Gabriel-Ära wenig anfangen kann ("Da sind mir Gabriels Solosachen lieber"). Wer sich dafür interessiert, ist bei The Musical Box deutlich besser aufgehoben, die das Konzeptalbum "The Lamb Lies Down on Broadway" detailgetreu am 22. Februar in der Saarlandhalle Saarbrücken aufführen werden. Die größere Hit-Dichte wird es definitiv in Wilsons Zwei-Stunden-Show geben.Extra

Der frühere Genesis-Sänger Ray Wilson (43) bringt mit seiner Band sowie Konzert-Pianist und Streichquartett die großen Hits von Genesis auf die Bühne in der Bitburger Stadthalle (19. April). AF Karten gibt es in den TV-Service-Centern Trier, Bitburg und Wittlich, unter der TV-Tickethotline 0651/7199-996 sowie auf www.volksfreund.de/tickets