Mehr junge Kunst für Trier

Mehr junge Kunst für Trier

Trier hat einen neuen Kunstort. Am Samstag nahm die Galerie Neosyne in der Trierer Karl-Marx-Straße mit einer Ausstellung von Simon Prades ihren Betrieb auf.

Trier. Draußen, ein paar Häuser weiter, versprechen die weiblichen Kurven einer Nachtclub Reklame handfeste Sinnenlust. Drinnen in den stillen Galerieräumen geht es um Sinnlichkeit der feineren Art. Zwischen Läden, Sexkino und Erotikshops ist in der Trierer Karl-Marx-Straße die Kunst eingezogen.
"Neosyne" heißt die neue Galerie in einer ehemaligen Änderungsschneiderei - nach einem kunsthistorischen Bildatlas zum Thema Pathos. Das Thema weiterdenken, zeitgenössische Kunst abbilden und zur Diskussion stellen wollen die jungen Galeriebesitzer David und Benjamin Vamosi sowie Johannes Stolpe. Nicht nur das: Den drei Studenten der Kunstgeschichte geht es auch darum, den Blick auf kunstgeschichtliche Wurzeln und Traditionen zu richten. Das entspricht der eigenen Haltung. "Wir haben schon immer sehr viel über Kunst nachgedacht", sagen die Nachwuchsgaleristen.
Bei der Eröffnung spielten die Brüder Vamosi mit schönem Geigenton und alten Meistern zur Vernissage auf. An der Wand präsentierte sich der junge Simon Prades mit seinen Grafiken, vis à vis die Arbeiten seiner "Inspirationsquelle", des Meistergrafikers Host Janssen (siehe Extra).
Beim "Philosophieren" über Kunst, Ausstellungs- und Kuratorenkonzepte sei den drei Freunden die Idee zur Galeriegründung gekommen. "So etwas selbst einmal in die Hand zu nehmen und eine Galerie aufzumachen, war schon immer unser Traum", erzählt Johannes Stolpe. Zudem sind die jungen Galeristen überzeugt, dass - unabhängig vom Verein Junge Kunst die Straße hinunter und anderer Aktivitäten - Trier eine weitere Plattform für zeitgenössische, zumal junge Kunst, brauchen kann. Die wollen sie in ihrem ganzen Spektrum zeigen. Von der Grafik, über Malerei, Multimedia, Fotografie und Video bis zu Bildhauerei, Installationen und Performance sind Ausstellungen geplant. Als nächster Künstler nach Prades soll der Email-Künstler Michael Ritzmann ausstellen.

Gegen den Trend


Die Ziele sind hochgesteckt. Sozusagen als Gegenbewegung zu den "aufgeblähten Kunstmärkten" der internationalen Zentren verstehen Stolpe und die Brüder Vamosi ihr Programm, das gerade junge, unbekannte Künstler fördern will. Dass die drei Galeristen nicht kunstpopulistisch angesagten Trends hinterherhecheln, zeigt gleich ihre erste Ausstellung mit Grafik, einer im aktuellen Kunstbetrieb wenig beachteten Ausdrucksart.
Die Künstler suchen die Jungunternehmer in Sachen Kunst über Bewerbungen, Atelier- und Messebesuche, aber auch aus ihrem persönlichen Bekanntenkreis aus. "Wir kennen viele Künstler", versichert Stolpe. Viel Eigenleistung haben die drei Freunde in ihr Projekt investiert. Künftig hoffen die jungen Galeristen allerdings auch auf Verkäufe zur Kostendeckung, vor allem durch den Verkauf erschwinglicher Offsetdrucke. Ein geschmackliches Heimspiel soll der neue Galeriebetrieb auf keinen Fall werden: "Wir wollen allen Künstlern eine Plattform bieten und nicht nach eigener Liebhaberei auswählen."
Galerie Neosyne. Karl-Marx-Straße 53, Trier, Telefon: 0176/64195899, Öffnungszeiten: mittwochs und donnerstags 15 bis 20 Uhr, samstags und sonntags 11 bis 20 Uhr sowie nach Vereinbarung.
In ihrer Eröffnungsausstellung zeigt Neosyne unter dem Titel "Naturgewalten" sehenswerte Tuschzeichnungen und Radierungen des jungen Grafikers Simon Prades. Der 1985 geborene Künstler und Student an der Fachhochschule Trier setzt sich darin mit der lebenspendenden wie zerstörerischen Kraft der Natur auseinander. Zusammen mit Prades\\' Grafiken sind als Leihgaben der Grafischen Sammlung der Universität Trier Druckgrafiken von Horst Janssen zu sehen, der als einer der bedeutendsten Grafiker des vorigen Jahrhunderts gilt und auf den sich Prades bezieht. er