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Mehr Licht für den Keller

Mehr Licht für den Keller

Teil 2 der neuen TV-Serie Willkommen im Club: Das "toni" am Trierer Domfreihof setzt jeden Dienstag auf internationale Blues-Bands - aber das soll erst der Auftakt sein.

Trier. Ach, damals, da unten: Hunderttausend Kippen schwängern die Luft. Schweiß, Hormone, Durst. Bloß keine Kopfweh-Nostalgie, bitte! Die allermeisten Trierer, die zwar dem Großraumdisco-Alter entwachsen, aber noch keine 50 sind, kennen "toni", das denkmalgeschützte Gewölbe unterm Domfreihof. Vielleicht nicht unter diesem Namen. Sondern - die Jugend der 80er - noch als "Tönnchen". Später als "Palais". Dann knapp zehn Jahre lang, nach kompletter Renovierung, als "Walderdorff's"-Club. Seit rund einem Jahr heißt das Kellerkind eben "toni".

Neu dabei: Bisher stand der Keller vor allem für Partys. Die gibt's weiterhin reichlich. Nun soll Live-Musik aber zum wichtigeren Bestandteil werden.

Die Gegenwart hört sich gut an, sieht manchmal aber überschaubar aus. Letzten Dienstag beim Tuesday-Blues: Mickey Neher, singender Schlagzeuger mit Blues im Blut und Jazz in den Handgelenken, ist mit Band zu Gast. Keine 20 Leute teilen sich die Weite des Kellers. Tom Rüdell - Journalist, Veranstalter und Musiker - kennt das, die Leere, auch bei wärmstens empfohlenen Konzerten. Der 33-Jährige kümmert sich um die Band, den Sound, den Einlass. Er will dem Blues in Trier eine Heimat geben, jeden Dienstag. Seit Anfang des Jahres setzt er auf den bluesigen Dienstag - mit unterschiedlicher Resonanz. "Wir sind noch am Anfang. Es geht darum, einen Grundstein zu legen", sagt Rüdell. "So kamen mal 80 Leute. Aber es kam auch schon vor, dass ich hier fast allein mit Bedienung und Band stand." Was nicht an dem liegt, was geboten wird. Rüdell bucht internationale Tour-Bands oder auch renommierte deutsche Musiker wie eben Neher & Co.

Das Problem sei eher die Erwartungshaltung, findet Clubbesitzer Ralf Laux, früher selbst ein bekannter Bassist (unter anderem bei Alb Hardy). Jahrelang hatte der Jazzclub regionale Bands und Musiker im Keller spielen lassen, für vom Gastronomen subventionierte Eintrittspreise unter Currywurst-Niveau. Wenn jetzt bei etablierten Tourbands das Ticket fast so viel kostet wie Kino plus Popcorn, macht mancher auf der Stelle kehrt. Auch wenn selbst renommierte Musiker ohnehin gewohnt sind, landauf und landab für einen Stundenlohn zu spielen, für den sich kein Klempner am Abend auch nur eine Rohrzange anschauen würde.

Rüdell hat sehr positive Erfahrungen gemacht: "Es ist kein Problem, sehr gute Bands nach Trier zu bekommen. Bluesmusiker sind zudem sehr pflegeleicht. Da sind nie Zicken dabei." Ab Herbst sollen auch an Wochenenden Konzerte hinzukommen, kündigt Laux an. Dann vor den Partys, die ohnehin erst spät beginnen und ohne Schwerpunkt auf Blues. Einen Vorgeschmack darauf gab es gestern Abend. Da spielte die frühere Gitarristin von Michael Jackson im Keller-Club, Jennifer Batten.

Toni (Trier)

TV-Fazit: Gewölbekeller mit Charme und gediegenem Ambiente. Zu oft klafft noch eine Lücke zwischen der guten musikalischen Qualität und der bisweilen dürftigen Quantität (Zuschauerzahl). Nächste Konzerte: 27.4. Poundcake (Lux.), 4.5. Johnny Mastro (USA), 6.5. Patricia Vonne (USA, Tex-Mex, früher bei Tito&Tarantula), 11.5. Nina van Horn (Paris). Warum "Toni"? Damit adelte Laux einen jahrelangen Walderdorffs-Mitarbeiter - Toni, seit zehn Jahren Türsteher. Größe: Platz ist für etwa 300 Zuschauer Top-Konzert: für Laux war es der Unplugged-Auftritt der Kölsch-Rocker Brings. Adresse: Domfreihof 1a, Trier, www.toni-trier.de (AF)