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Mehr Spam für alle!

Mehr Spam für alle!

Es ist einfach, Musicals zu verachten: Die flachen Geschichten, die Überdosis Pathos, die mangelnde Selbstironie, das ständige Geknödel. "Monty Python's Spamalot" - zu sehen im Kölner Musical-Dome - parodiert die Webber-lichsten Seiten des Genres. Heraus kommt dabei ein Kompromiss. Immerhin ein guter.

Köln. Es ist nur eine ironische Wendung, dass die Pest des 21. Jahrhunderts ausgerechnet Monty Python zitiert. Die britische Komiker-Truppe hatte es Anfang der Siebziger geschafft, in einem Restaurant-Sketch 132 Mal das Büchsenfleisch "Spam" unterzubringen. Lange, bevor elektronischer Datendreck billionenfach durch die Leitungen blitzte. Und bevor "Spam" ein Synonym wurde für: nutzlos, sinnfrei, grotesk, bisweilen unfreiwillig komisch.

Dafür steht - wenn auch freiwillig - "Spamalot". Das von Ur-Python Eric Idle geschriebene Musical ist nach Erfolgen am Broadway und in London nun auch in deutscher Übersetzung im Kölner Musical-Dome zu sehen. "Spamalot" orientiert sich dabei am Film-Klassiker "Die Ritter der Kokosnuß", baut die (Nicht-)Handlung aber noch aus. Das kommt auf der Bühne ohne Anarcho-Humor aus, ohne echte Provokationen, da wird keine Revolution angezettelt: Nein, für ein zeitgenössisches Theaterstück wäre "Spamalot" fast zu brav. Aber im eher behäbigen Musical-Stadl ist es dennoch eine Offenbarung. Weil es die Stereotypen des Genres gnadenlos aufzeigt: Immer schön singen, tanzen, steppen - während die Emotionen ein paar Nummern zu groß sind. Anspielungen auf andere Musicals gibt es reichlich.

Aber von vorne. So soll es aussehen, das Jahr 932 in Britannien, gepresst in Schlagwort-Spam: Die Pest rafft die Leute dahin. Ein weißes Killer-Kaninchen beißt einem tapferen Ritter den Kopf ab. Die "Schöne aus dem Schilf" (stimmgewaltig: Amber Schoop) beklagt sich über ihre Mini-Rolle im Musical. König Artus (brillant naiv: Michael Flöth) sucht und findet seine Tafelrunde fast nach gängigen "Superstar"-Kriterien: Den angstbeseelten Sir Robin, den tuckigen Lancelot. Oder auch Sir Galahad, der vor seinem Ritterschlag erst mal als anatolischer Klassenkämpfer Dennis daherkommt. Gottes Stimme klingt wie die von Reich-Ranicki. Und am Ende resümieren alle: "Das Leben ist ein Scheiß, wie gut, dass man das weiß. Aber es gibt nun mal nichts Besseres als das", bevor der Refrain, "Always look on the bright side of life", ausnahmsweise in Englisch gesungen wird.

Völlig sinnlos? Das ist Absicht und Antrieb. So wird die Suche nach dem heiligen Gral kurzerhand unterbrochen, um innerhalb der Show ein Broadway-Musical einzustudieren. Einzige Bedingung: Es darf keines von Webber sein.

Als reine Parodie lässt sich "Spamalot" dabei nicht verstehen: Schließlich kann die kurzweilige Zweieinhalb-Stunden-Show nur ein Erfolg werden, wenn das Musical-Stammpublikum mitzieht: Schon deshalb gibt es eher Augenzwinkern als bösartige Affronts. Der musikalische Rahmen ist zudem klar abgesteckt - so viel Kompromiss muss wohl sein: wenige Experimente. Mehrstimmig, eingängig, abwechslungsreich. Abgesehen von den Texten nicht sonderlich originell, aber souverän auf die Bühne gebracht. Und alles lustiger, als Mails zu löschen.

Vorstellungen (Köln, Musical Dome): Dienstag 20 Uhr, Mittwoch/Donnerstag 18.30 Uhr, Freitag 20 Uhr, Sa. 15 & 20 Uhr, So. 14 & 19 Uhr.