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Comedy in Trier : Meister des fließenden Übergangs

Comedy in Trier : Meister des fließenden Übergangs

Der Kabarettist Torsten Sträter hat in der Europahalle 800 Zuschauer mit seinem Mix aus Wortwitzen und absurden Zusammenhängen begeistert.

Selten ist ein Publikum so schnell in Fahrt wie am Sonntagabend in der Europahalle. Denn als der Kabarettist Torsten Sträter die Bühne betritt, sind 800 Zuschauer alleine durch dessen Erscheinen sofort aus dem Häuschen. Und der Mann mit der gestrickten Mütze als Wahrzeichen, die bis tief unter beide Ohren gezogen ist, legt los mit seinem Programm „Es ist nie zu spät, unpünktlich zu sein.“ „Volles Haus – nennt man das hier Massentrierhaltung?“ fragt Sträter, nach eigener Aussage „das älteste Gesicht Deutschlands in der ältesten Stadt Deutschlands.“

Bei anderen Kabarettisten mögen solche Kalauer den Besuchern nur ein müdes Lächeln entlocken. Doch Sträter begeistert damit sein Publikum. Nahezu kein Satz endet ohne einen Gag, ohne eine Spitze. Dabei zeigt sich der Künstler als Meister des fließenden Übergangs. Kaum eine Story führt er zu Ende, ohne mindestens fünfmal abzuschweifen und zusätzliche Schauplätze einzubauen. Wobei sich der Zuschauer des Öfteren fragt, ob das alles zu einem festen Programm gehört oder ob Sträter seine Gags spontan hervorzaubert. Denn er geht auf nahezu jede Reaktion aus den Zuschauerreihen ein.

Egal, ob er sich mit dem zehnjährigen Lukas aus dem Publikum unterhält, auf einen einzelnen Klatscher reagiert („Wenn einer im Dunklen klatscht, habe ich Angst, da hätte jemand seinen Seehund mitgebracht“) oder zwölf Zettel zitiert und kommentiert, die ihm das Publikum während der Pause auf die Bühne wirft, Sträters Repertoire an Improvisationen scheint unerschöpflich.

Die alltäglichen Themen, die er aufgreift, führt er durch gnadenlose Überspitzung ins Absurde. Sei es zum Thema Überwachung und Datenschutz die vermeintliche Stuhlgang-Kontrolle in Hotels mittels des vorne gefalteten Klopapiers, der er sich nicht beugen will („Ich bringe immer mein eigenes Klopapier mit“), die Frage, warum auf Flügen stets Parfüm verkauft wird oder die Probleme mit einem gemieteten Elektroauto auf Mallorca, weswegen er seinen Urlaub aufgrund der langen Ladezeiten auf der Tankstelle verbringt – es gibt offensichtlich kein Thema, über das er nicht ablästern kann. Wobei er Trierer Lokalkolorit ebenfalls einbaut. Was sagt man in Trier zum Schluss einer Vorstellung, fragt er das Publikum? „Tschö mit Ö“ („Lieber würde ich mir die Nase abtrennen als so was zu sagen“) oder „Dajeeee mit vier e“? Und wie erklärt man einem Kabarettisten aus dem Ruhrgebiet, was der Trierer mit „Fupp“ meint?

Doch erlebt das Publikum auch den Sträter, der Geschichten vorliest, so wie er aus zahlreichen Fernsehsendungen bekannt ist. Meist allerdings erst nach einer viertelstündigen Einleitung, bei der Sträter beispielsweise erzählt, warum er seine Stimme so erotisch klingen lässt („Optisch ist bei mir nicht mehr viel zu reißen“).

Die Geschichten, die er liest – in der zweieinhalbstündigen Vorstellung sind es derer vier – stecken voll hintergründigem und absurdem Humor. Etwa, als er seiner verstorbenen Mutter zum Geburtstag immer noch SMS auf ihr Handy schickt und sich erschrickt, als diese auf einmal antwortet. Denn die Nummer ist neu vergeben, und der neue Nummernbesitzer geht auf das Mutter-Sohn-Spiel ein, was dann wiederum fast dessen Verlobung platzen lässt.

Im Foyer der Europahalle hängt bereits die Ankündigung für Sträters nächsten Auftritt in Trier am 20. März 2020. Viele Besucher des jüngsten Abends werden sich schon jetzt darauf freuen. Dajeeee!