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Meister über Licht und Schatten

Meister über Licht und Schatten

Ein Highlight mehr in der Region: Die Neue Galerie im Haus Beda in Bitburg zeigt eine eindrucksvolle Ausstellung mit Schwarz-Weiß-Fotos von Benjamin Katz. Die umfangreiche Schau ermöglicht zudem ein Wiedersehen mit bedeutenden Vertretern der Nachkriegskunstszene.

Bitburg. Manchmal sieht er aus wie ein trauriger Fuchs. Dann, wenige Minuten später, wenn er lächelt, sitzt ihm der Schalk zwischen den Augen. Benjamin Katz hat Humor. Mehr noch: Er besitzt jene Selbstironie, die Menschen sympathisch macht und ihnen einen wohltuenden Abstand zu sich selbst schafft. "Ja, ja, ein guter Fotograf ist das, der hier hängt", macht er augenzwinkernd die Runde seiner Fotos im Haus Beda. Dort hat ihm die "Neue Galerie" im Erdgeschoss eine große Werkschau ausgerichtet.

Der 1939 in Antwerpen geborene Fotograf gehört zu den wichtigen Fotokünstlern dieser Zeit. "Wir wollen mit dieser Ausstellung ein Zeichen setzen", unterstreicht einmal mehr zur Eröffnung Hausherr Michael Dietzsch. Soll heißen: Wir wollen Qualität zeigen und zur Qualität ermutigen.

Die Fotoschau in Bitburg ist eine große Zusammenschau der Katz'schen Welt, ein schwarz-weißes nuancenreiches Bilderreich aus Licht und Schatten. In den vergangenen Jahren hat sich der Fotograf vorzugsweise mit Landschaften und Stillleben beschäftigt. Seine faszinierendsten Arbeiten bleiben allerdings seine Porträts. Dort ist versammelt, was in der Nachkriegskunst Rang und Namen hat.

Den ehemaligen Kölner Galeristen und Künstlerfreund Katz auf seine Rolle als eindrucksvollen Chronisten dieser Szene zu reduzieren, hieße, nur dem halben Katz gerecht werden. Nicht ohne Grund hängen die Konterfeis des ehemaligen Absolventen der Kunsthochschulen in Berlin und dem belgischen Tournai heute in Museen wie der Pinakothek der Moderne in München. Dort sind sie gleichermaßen eigenständiges Kunstwerk wie Hintergrundinformation zur Sammlung.

Selbstbeweihräucherung ist Katz' Ding nicht. "Irgendwann haben die mich mal gefragt, ob ich sie nicht fotografieren könnte", berichtet der Mann, der seit über 50 Jahren eng mit Georg Baselitz befreundet ist, von der Entstehung seiner Porträts. Das Ergebnis ist bedeutsam.

Katz versteht meisterlich, Menschen im Bild auf ihr Wesen zurückzuführen. So wie Per Kirkeby, dessen stilles Kindergesicht im krassen Gegensatz zu seinen dramatischen Bildwelten steht. Um die Ecke schaut Cindy Shermans nacktes Gesicht, entblößt von jeder Inszenierung. Markus Lüpertz hat Katz im Halbporträt als Mischung aus Malerfürst und Dandy abgelichtet. Gleich mehrmals ist Georg Baselitz im Bild.

Viele der hier gezeigten Porträts haben inzwischen den Rang von Ikonen, so wie Joseph Beuys und seine "Westkunst" oder Gerhard Richter beim Malen der "Kerzenbilder". Heute porträtiere er vor allem seine Tochter, sagt der Fotograf, der zurückgezogen in Köln lebt. Viele der alten Künstlerfreunde seien inzwischen tot: "Eine Alterserscheinung". Und mit dem aktuellen Kunstbetrieb könne er auch wenig anfangen. "Ja", nickt er, "zu viel Marketing und zu wenig Inhalte".

Bis 21. November geöffnet: dienstags bis freitags von 15 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und feiertags von 14 bis 18 Uhr, Telefon 06561/9645-0.