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Meisterhafte Gratwanderung zwischen Melancholie und Pathos

Meisterhafte Gratwanderung zwischen Melancholie und Pathos

Die Sopranistin Anja Harteros und die Münchner Philharmoniker haben am Donnerstag das Luxemburger Publikum mit Liedern von Richard Strauss und russischen "Romeo und Julia"-Variationen verzaubert. Überzeugend war vor allem auch die Leistung von Dirigent Gustavo Gimeno.

Luxemburg. Als Entdeckung gepriesen wurde Gustavo Gimeno bereits in einem TV-Bericht vom 10. Mai. Anlass war ein Konzert mit dem Orchestre Philharmonique du Luxembourg. Sein Können bestätigte der junge spanische Maestro nun am Donnerstag in der Luxemburger Philharmonie eindrucksvoll. Was der ehemalige erste Schlagzeuger des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters als Dirigent zu leisten vermag, macht große Hoffnungen auf eine eindrucksvolle Karriere.
Debüt im Februar


Als Vertretung für den erkrankten Star am Pult, Lorin Maazel, führte Gimeno die oftmals kapriziösen Münchner Philharmoniker mit rhythmischer Transparenz und sensibler Zurückhaltung zu einer überzeugenden Leistung. Gimeno hatte sein Debüt erst im Februar in Amsterdam gegeben, laut Kritik ein Triumph.
Fast 1300 Zuhörer hörten am Donnerstag in der Reihe "Grands Solistes" zum Auftakt furiose "Till Eulenspiegels lustige Streiche" von Richard Strauss (1864-1949). Gimeno forderte zügige Tempi, ließ aber Raum für Spontanität; vor allem die Bläser dankten es ihm mit frecher Interpretation.
Die als Jahrhundert-Sopran gefeierte Deutsch-Griechin Anja Harteros (geboren 1972) absolvierte souverän Richard Strauss\' "Vier letzte Lieder". Die Texte von Heine (wunderbar poetisch sein "Beim Schlafengehen" mit einem beeindruckenden kleinen Violinen-Solo) und Eichendorff hätten ein wenig verständlicher sein dürfen, davon abgesehen gelang ihr die schwierige Gratwanderung zwischen Melancholie und Pathos meisterlich. Diese tief anrührenden Spätwerke des dem Tode nahen Komponisten verlangen der Solistin einiges an Substanz ab, Harteros heimste dafür den verdienten Jubel des Publikums ein.
Im zweiten Teil des Konzertes zeigte sich, wie sensibel Gimeno auf die Philis - so nennen die Münchner ihr Orchester - einging. Tschaikowskys "Romeo und Julia"-Ouvertüre spielten sie mit souveräner Zurückhaltung. Bei Prokofjews "Romeo und Julia"- Auszügen (eigentlich als Ballett-Musik komponiert) traten Gimeno und die Philis aufs Gaspedal, das Publikum lauschte atemlos, aber auch in den bombastischen Momenten flog niemand aus der Kurve. DT