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Melancholische Kostbarkeiten

Melancholische Kostbarkeiten

Die Kombination Mezzosopran-Viola-Klavier gilt nicht gerade als Publikumsmagnet. Und doch war der Römersaal in St. Irminen beim Kammerkonzert des Trierer Theaters mit 80 Besuchern voll besetzt. Was erneut belegt: Es gibt auch für ungewöhnliche Besetzungen und Programme ein Publikum - man muss es nur finden!

Trier. "Dunkle Edelsteine" seien die Kompositionen an diesem Nachmittag, sagte Mezzosopranistin Silvie Offenbeck in ihrer Begrüßung. Im Kammerkonzert des Trierer Theaters in St. Irminen dominierten tatsächlich die gedeckten Klänge, die melancholischen Empfindungen. Und doch: Welchen Reichtum und welche Gefühlstiefe entfaltete die erlesene und musikalisch schlüssige Besetzung mit Mezzosopran, Viola und Klavier!
Silvie O ffenbeck, Bratscher Daniel Poschta und Pianistin Angela Händel breiteten ein herrliches Spektrum von Klängen und Gefühlen aus. Und sie stellten Musik aufs Programm, die zu Unrecht in Vergessenheit geriet: Joseph Marx mit seinem spätromantisch resignativen und doch klangseligen "Durch Einsamkeiten", Frank Bridge, Benjamin Brittens Lehrer, mit den erstaunlich Reger-nahen "Three Songs". Und zum Abschluss die tonmalerischen Baudelaire- und Verlaine-Vertonungen von Charles (Karl) Loeffler, der von seiner deutschen Herkunft nichts mehr wissen wollte und sich in Frankreich und schließlich den USA niederließ.
Aber ob bekannt oder vergessen - immer wieder und auch bei den Liedern von Richard Strauss bringt Silvie Offenbecks hell timbrierter Mezzo die Stimmung der Kompositionen auf den Punkt. Sie erweist sich zudem in der sorgfältig austarierten Balance von Text und melodischer Linie als liedsängerisch sorgfältig geschult. Daniel Poschtas warmer Violaklang und seine präzise, nur bei der Elegie von Henri Vieuxtemps minimal unscharfe Intonation machen ihn zum echten Partner der Sängerin. Und Angela Händel am Klavier kultiviert einen wohlklingend fließenden Stil - ideal für die Begleitung von Vokalmusik.
Das kürzeste und leiseste Stück im Programm war wohl das eindringlichste: Paul Hindemiths "Der Tod ist müde geworden" aus dem dreiteiligen Zyklus "Des Todes Tod", den sogar Hindemith-Gegner Adorno als "überaus originell" rühmte. Trotz kleiner Detailprobleme - Sängerin wie Bratscher (kein Klavier!) beschworen nachdrücklich das faszinierende Ineinander von Abschied und Zukunftshoffnung in Text und Musik. Vielleicht gelingt es, "Des Todes Tod" und die zugehörige "Junge Magd" einmal komplett aufzuführen. Es wäre ein enormer Gewinn. mö