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Was sind Sie bloß für ein verrückter Hund. Der Mann, der vom Himmel fiel.

Dank eines Getränks, das Flügel verleiht. Der gigantischste Werbegag, seit Coca Cola den Weihnachtsmann erfand. Oder gar die "Mondlandung der Facebook-Generation", wie ein lyrisch begabter Journalisten-Kollege schrieb. Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Umsatzsprung für Red Bull: So grandios hat noch keiner Träume und Tantiemen unter einen Hut gebracht - oder sagen wir: unter einen Ballon. Ganz nüchtern betrachtet, ist Folgendes passiert. Da hat ein Mensch grob fahrlässig sein Leben aufs Spiel gesetzt, um das Publikum zu unterhalten, Weltruhm einzuheimsen und ordentlich Kohle zu verdienen. Wie? Der wissenschaftliche Nutzen? Den hätte man genau so gut mit einem Crash Test Dummy erzielen können. Nur dass dann nicht die halbe Menschheit mitgefiebert hätte wie einst die Römer bei den Gladiatoren. Das ist ja das eigentliche Phänomen: Da bauen wir Durchschnittsbürger in jedes Auto sechs Airbags ein, investieren Milliarden, damit die örtlichen Feuerwehren im Brandfall nicht in neun, sondern in acht Minuten vor der Tür stehen, versichern uns gegen alles - sogar gegen Hochzeits-Rücktrittskosten. Kurzum: Wir scheuen jedes Risiko wie der Teufel das Weihwasser, wollen alles ver- und absichern, zittern vor jeder unkalkulierbaren Situation. Aber dann sitzen wir stundenlang vor dem Fernseher, suchen Livestreams im Internet, gieren nach jeder Nachricht, jedem Bild von Ihrer Stratosphären-Expedition. Drücken die Daumen für jemanden, der etwas tut, was wir für alles Geld der Welt nie tun würden. Bewundern einen, der Abenteuer verkörpert, Mut, Wahnsinn. All das, was uns Kleingläubigen fehlt. Vielleicht, Herr Baumgartner, braucht man ab und zu solche Verrückte wie Sie. Um zu zeigen, dass man manchmal eben aufs Ganze gehen muss, wenn man Erfolg haben will. Oder, wie es der alte Martin Luther in seiner drastischen Art formulierte: "Aus einem verzagten Arsch fährt kein fröhlicher Furz". Kann sein, dass Ihr Sprung weltgeschichtlich nicht mehr war als eine Blähung für das Guinness Buch der Rekorde. Aber offenbar haben Sie eine Sehnsucht getroffen, die tief in uns steckt. Und klug scheinen Sie auch zu sein: Sie wollen Ihr Dasein als Extremsportler jetzt, auf dem Höhepunkt, beenden. Nur ein Tipp: Seien Sie vorsichtig, wenn demnächst die Versicherungsvertreter bei Ihnen auf der Matte stehen. Dieter Lintz