Mensch ...

Glückwunsch! Zum Sieg bei "Deutschland sucht den Superstar". Und vor allem dazu, dass Sie diese zweifelhafte Castingshow offenbar unbeschadet und mit einem Lächeln überstanden haben.

Leider kann ich Ihre Gesangskünste nicht wirklich beurteilen. Denn im Gegensatz zu Ihnen bin ich bei Dieter Bohlen und seinen seltsamen Mitstreitern wohl nicht ganz so schmerzfrei. Aber ich war wirklich verblüfft, als ich statt eines jungen Mannes, der nach dem Finale der Sendung entweder mit negativen Schlagzeilen, im Dschungelcamp oder gar nicht mehr wahrgenommen wird, Sie gesehen habe. Sympathisch, strahlend, skandalfrei und hübsch, aber ohne ungesunde Hungerhaken-Modelmaße. Dass es aber ausgerechnet Schlager sind, mit denen Sie sich zum Sieg geträllert haben, das verblüfft mich am meisten. Ich war nämlich immer der Meinung, dass ich für diese Musikrichtung noch viel zu jung bin. Und muss feststellen, dass ich offenbar schon viel zu alt bin. Da muss irgendeine Entwicklung völlig an mir vorbeigerauscht sein. Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon junge Leute kreischend vor der Schlagerbühne drängeln und Andrea Berg oder Helene Fischer zujubeln. Vielleicht ist ja auch Volksmusik bei der Jugend total "in": Reihenweise Ohnmachtsanfälle, wenn Stefan Mross zur Trompete greift. Schlüpfer fliegen auf die Bühne, um Florian Silbereisen im Glitzerjackett zu huldigen. Ich frage mich, wo das noch hinführen soll. Wahrscheinlich werde ich, wenn ich im vermeintlichen Musikantenstadel-Alter bin, die Totenkopfkutte anziehen und zum Rammstein-Konzert gehen. Oder zu Heino. Der hat es offenbar begriffen, dass er für Schlager jetzt zu alt ist. Nora John Weitere TV-Kolumnen auf www.volksfreund.de/kolumne