Mensch... BP-Chef Hayward!

Mensch... BP-Chef Hayward!

Es geht doch nichts über ein gutes Krisenmanagement. Vor allem, wenn man oberster Chef eines Weltkonzerns ist, der gerade durch eine Mischung aus Geldgier und Inkompetenz dabei ist, die halbe amerikanische Atlantikküste in ein Ölgemälde zu verwandeln.



Staunend steht man dabei, wenn Sie erst Tag für Tag erzählen, das sei alles nicht so schlimm und werde sich schon regeln lassen. Wenn Sie die Weltöffentlichkeit mit frech geschönten Schadens-Schätzungen vera…, während unterdessen mehr Öl aus dem Erdloch quillt, als die "Exxon Valdez" jemals in der Arktis verteilt hat. Wenn Sie dann jede Woche neue Super-Bekämpfungsmethoden präsentieren, die sich als Windei erweisen. Große Kuppel, kleine Kuppel, Schlammbeschuss - fehlt eigentlich nur noch das Riesen-Kondom.

Sagen Sie, Mr. Hayward, ganz unter uns: Kann es sein, dass man eine High-Tech-Anlage wie eine Ölbohrplattform betreiben kann, ohne einen Plan B zu haben, falls etwas Unvorhergesehenes eintritt? So dass man nachher wie ein Ölgötze dabeisteht und zusehen muss, wie die Natur zugrunde geht? Ich dachte, das gäbe es nur bei sowjetischen Atomkraftwerken.

Ich frage Sie auch deshalb, weil man bei uns in Deutschland nicht einmal einen Ölwechsel an seinem Auto machen darf ohne Netz und doppelten Boden. Hierzulande gilt noch der Rest-Tropfen im Türquietschverhinderungs-Ölfläschchen als gefährlicher Sondermüll. Und bei Ihnen hält man das Sicherheitsventil am Meeresgrund offensichtlich für überflüssigen Luxus, dessen Einbau die Profitrate unnötig schmälern könnte.

Ich denke, Sie nehmen mir nicht krumm, wenn ich wider besseres Wissen hoffe, dass Ihr Weltkonzern die entstehenden Milliardenschäden bis zum letzten Pfennig ausgleichen muss. Auch wenn das Ihre letzte Ölung als Vorstandsvorsitzender bedeuten sollte.

Und den nächsten Werbespot für Ihr Premium-Produkt "Aral" sehe ich auch schon vor meinem geistigen Auge: Wie Ihr Aral-Mann zur fröhlichen Melodie von "I'm walking" mit dem Kanister voller Reinigungsmittel barfuß am verseuchten Strand entlangläuft und halbtote Vögel vom Öl-Dreck befreit.

Dieter Lintz

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