Mensch... Edward Snowden

Mensch... Edward Snowden

Jetzt sitzen Sie da in Moskau auf dem Flughafen herum wie bestellt und nicht abgeholt. Statt dass man Sie verdientermaßen für den Friedensnobelpreis oder wenigstens für den Ehren-Bambi nominiert, will keiner Sie haben.

"Man liebt den Verrat, aber nicht den Verräter", mailte schon seinerzeit Julius Caesar an brutus@aol.com - und weil der gallische Geheimdienst fleißig ausspähte, ist der Spruch bis heute überliefert. Dank Ihrer akribischen Information, Mr. Snowden, wissen wir nun, wo die Schlapphüte aus Präsident Obamas "Land of the Free" überall ihre Nase hineinstecken. In unsere Mails und Postings, in die Konferenzräume unserer Politiker, in die Korrespondenz der EU-Diplomaten. Während unsere Angie noch durchs Internet-"Neuland" stolpert, liegen im Weißen Haus schon längst die Auswertungen ihrer Online-Kommunikation auf dem Tisch. Was heißt da schon transatlantische Freundschaft? "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser", sagte bekanntlich schon Abraham Lincoln. Was? Das ist von Lenin? Na und, was macht das schon für einen Unterschied. Ich vermute mal, der einzige relevante Unterschied zwischen amerikanischen, russischen, deutschen oder liechtensteinischen Geheimdiensten besteht darin, dass die Amis immer auffliegen. Das liegt daran, dass man für CIA, NSA oder wie die kriminellen Vereinigungen auch immer heißen mögen, noch Menschen braucht und nicht nur Drohnen. Und da ist halt ab und zu noch einer drunter, der über einen Restbestand von Moral verfügt - wie Sie. Also wenn Sie wirklich kein Asylland finden: Bei mir zu Hause wird demnächst ein Zimmer frei, wenn meine Älteste auszieht. Von mir aus können Sie da einziehen. Sie brauchen auch keine Miete zu bezahlen und können stattdessen die Wartung meines Laptops übernehmen, da kennen Sie sich ja aus. Und wenn Sie schon mal da sind: Ich würde furchtbar gerne wissen, was in den großen Paketen drin ist, die der Nachbar von Gegenüber immer bei Amazon bestellt. Das könnten Sie wahrscheinlich im Handumdrehen herausfinden. Wie? Privatsphäre? Verboten? Ach kommen Sie, der Mann hat einen Schnäuzer und dunkle Haare, der könnte also ein potenzieller Terrorist sein. Wäre also reine Gefahrenabwehr, was wir da betreiben. Und beim Kampf gegen Terrorismus ist bekanntlich jedes Mittel recht. Dieter Lintz