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Mensch... Frau Schickedanz!

Mensch... Frau Schickedanz!

Es ist auch wirklich ein Skandal, dass der Wert Ihres Aktienpakets bei Quelle von drei Milliarden Euro auf nur noch 27 Millionen Euro gesunken ist. Die Krise des Handels- und Touristik-Konzerns Arcandor (Karstadt, Quelle) spitzt sich zu.Glaubt man der Boulevard-Presse, dann haben Sie derzeit nur noch 500 Euro im Monat zum Leben.

Sie sind sogar auf Obst und Kräuter aus dem eigenen Garten angewiesen, um sich zu ernähren. Ist schon erschreckend, dass Sie nun auch noch beim Discounter kaufen müssen. Aber so ist es nun einmal in der freien Wirtschaft. Anscheinend haben Sie ein paar Grundregeln des Geschäfts vergessen.

Deshalb ein wenig Nachhilfe im Fach Betriebswirtschaftslehre. Ein wichtiger Faktor der hochgelobten Wirtschaftsordnung dieser Republik heißt nämlich unternehmerisches Risiko. Wer nicht klug und vorausschauend wirtschaftet, der kann eben auch pleitegehen.

Ja, manche müssen sogar Pleite machen, um Platz zu schaffen für modernere, fortschrittlichere Betriebe. Mit dieser Risiko-Perspektive erkaufen sich die Wirtschaftenden und auch die Aktionäre gewissermaßen ihr Vermögen und schaffen natürlich auch Arbeitsplätze für den "Otto-Normalverdiener". Nur haben die Wirtschaftenden in der Regel ein höheres Einkommen als ihre Angestellten, die "Otto-Normalverdiener". Und das sorgt dafür, dass sie bei einer Pleite "weich fallen".

Wie Sie kürzlich erklärten, haben Sie ja noch ein Aktienpaket von 27 Millionen Euro - das müsste eigentlich für eine weiche Landung reichen. Das ist nämlich Geld zum Ausgeben und nicht zum Drauf-Hockenbleiben. Es gibt also keinen Grund zum Jammern. Ist alles systembedingt völlig in Ordnung.

Und außerdem: Sie sollten auch an jene Quelle-Angestellten denken, die nun Angst um ihre Arbeitsplätze haben.

Die haben bestimmt nicht alle einen Garten, von dem sie sich ernähren können, ganz zu schweigen von 27 Millionen Euro auf der hohen Kante!

Hans-Peter Linz