Mensch... Herr Oettinger!

Ich weiß, ich weiß, das Privatleben von Politikern geht uns eigentlich gar nix an. Aber wo Sie doch mit Ihrer Frau diese schöne Homestory in der "Bunten" hatten, da hab' ich mir noch gedacht: Mensch, die Oettingers, bei denen ist wirklich die Welt noch in Ordnung.

Ich find' das übrigens eine lustige Arbeitsteilung bei Ihnen und Ihren Politiker-Kollegen: Die Liebe wird immer in der "Bunten" verkündet, und die Scheidung bei "Bild". Echt fair verteilt, und man kann nichts durcheinanderbringen. Aber ein bisschen Sorgen mach' ich mir ehrlich gesagt schon. Nicht direkt wegen Ihnen, sondern wegen der Serie. Der Pflüger in Berlin, der Wulf in Niedersachsen, der Seehofer in Bayern und jetzt Sie: Werden Scheidungen demnächst Pflicht, wenn man bei der CDU als Landespolitiker was werden will? Da wird die Frau Baldauf bei uns in Rheinland-Pfalz noch ganz nervös. Und am Ende ist der Herr von Beust in Hamburg der einzig Ungeschiedene - mehr als eine eingetragene Partnerschaft ist bei dem ja eh nicht drin. Ein Glück, hab' ich mir noch gedacht, dass der alte Filbinger nicht mehr lebt, Ihr Vor-Vor-Vorgänger. Zu dem seine Zeiten wäret mer im Schwaobeland mit solche Fissimadenda noch aus d'r Partei g'schmisset worre - un exkommuniziert glei nochär. Ich ahne jetzt auch, warum die CDU sich neuerdings so für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einsetzt: Der Unterhalt nach der Trennung wird für die Spitzenleute einfach zu teuer, da ist es besser, die Ehepartner arbeiten gleich weiter. Ich frag' mich nur manchmal: Was treibt die Frauen eigentlich so oft weg von diesen attraktiven, populären, mächtigen Männern? Bei Frau Sarkozy konnte ich es ja noch verstehen, der tat vielleicht einfach das Genick weh vom ewigen Runterschauen. Aber bei Ihnen? Sollte es für Frauen tatsächlich Schöneres geben als Stehempfänge, Ortsvereinfeste, Benefiz-Essen und Männer mit 90-Stunden-Woche, denen man den Rücken frei und lästige Pflichten wie Kindererziehung vom Leib hält? Das wär' ja schon fast eine Revolution. Dieter Lintz

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